Letztlich ist es eine Typfrage, aber es gibt grundsätzlich zwei Sorten von Musikern: diejenigen, die sich auf der Bühne wohlfühlen, und diejenigen, die lieber im Studio tüfteln. Den einen nimmt der aufwendige Aufnahmeprozess zu viel Energie aus der Musik, und die anderen mögen die limitierten Möglichkeiten der Bühne nicht. Albert Castiglia fühlt sich in beiden Habitaten wohl. Neun teils vielschichtige Studio-Alben brachten ihm reichlich Kritikerlob ein, zuletzt für das treffend betitelte „Masterpiece“. Für die Bühne arrangiert er seine Stücke nach folgendem Rezept: Verstärker aufreißen, Tempo anziehen. Entsprechend eröffnet dieser Konzertmitschnitt neue Sichtweisen auf sein Werk, das er mit Coverversionen unter anderem von seinem ehemaligen Chef Junior Wells, von Freddie King oder Johnny Winter anreichert. Qualitativ gibt’s nichts zu kritisieren – allein der konstant hohe Energie-Level macht die CD paradoxerweise auf Dauer ein wenig fad. cu