Dem Klischee nach erschallen Alphörner eigentlich hoch droben auf saftigen Almwiesen. Aber nun haben die Instrumente sich endlich ihren Platz in der Bayerischen Staatsoper erobert – wenn auch vorerst nur in den Katakomben. Hierhin, auf die Unterbühne des Nationaltheaters, hatten die Hornistinnen und Hornisten des Staatsorchesters für den ersten öffentlichen „Mittwochs-Streifzug“ geladen. Eine Aktion, mit der das Haus ein Zeichen für Kultur in Corona-Zeiten setzen möchte und gleichzeitig die Umsetzung geltender Hygieneregeln in kleinem Rahmen testet (wir berichteten).
Das Format, das bei den ausgehungerten Fans aufgrund der begrenzten Platzkapazität schnell zum heißesten Ticket der Stadt werden könnte, will dem Publikum Einblicke in den Probenalltag geben. Oder an Orte entführen, an denen man sonst eher das Knirschen und Rattern der Maschinerie hört. Wobei natürlich auch der Abstieg in die Unterbühne wieder routiniert in Szene gesetzt war und sich die ungewohnte Spielfläche effektvoll ausgeleuchtet präsentierte. Ähnlich kontrastreich das Programm, das neben dem gefühlvoll intonierten Alphorn-Tanzreigen auch Kompositionen des Dänen Johannes Frederik Frøhlich, sowie als schwungvollen Rausschmeißer Astor Piazzollas „Libertango“ enthielt. Und wann hat man schon einmal Gelegenheit, Mozarts Hornkonzert Nr. 4 zwar in leicht eingedampfter Form, dafür aber von acht virtuosen Könnern auf einmal zu hören? Das handverlesene Publikum honorierte die Darbietung mit ausdauerndem Applaus. Und als man beim Verlassen vom Saaldienst mit einem fröhlichen „Bis zum nächsten Mal“ verabschiedet wurde, konterte so mancher mit einem ebenso ehrlich empfundenen „Hoffentlich bald!“