Klänge der Heimat

von Redaktion

Die Bayerische Staatsoper vertraut beim zehnten Montagskonzert aufs eigene Ensemble

VON TOBIAS HELL

Obwohl die Bayerische Staatsoper langsam beginnt, zumindest in kleinen Formaten wieder Publikum zu empfangen, geht es parallel und zum Glück mit den per Internet übertragenen Montagskonzerten weiter. Wobei die zehnte Runde diesmal wieder komplett aus dem Ensemble besetzt wurde. Eine Gelegenheit, die gerade vonseiten des Staatsorchesters mit viel Kreativität genutzt wurde.

So präsentierte etwa Geigerin Julia Pfister ein eigenes Arrangement von Piazzollas zackigem „Tango Nr. 1“ und ergänzte damit ihre Kollegen aus der Schlagzeuggruppe. Die hatten sich unter dem Namen OPERcussion einige Klassiker wie die „Zauberflöten“-Ouvertüre oder Dizzy Gillespies „Night in Tunisia“ für ihr Instrumentarium bearbeitet und lieferten nach dem Auftritt beim ersten Montagskonzert nun wieder einen der Höhepunkte des Abends. Dazu durfte man ebenfalls den packenden Pas de deux aus Wayne MacGregors „Borderlands“ rechnen, den Margarita Grechanaia und Dmitrii Vyskubenko als eines von zwei Staatsballett-Paaren beisteuerten.

Während andere Theater gefühlt eine Archiv-„Carmen“ oder „Bohème“ nach der nächsten streamen, bleibt man in München erfreuli-cherweise wagemutiger. So konnten sich die Sänger des Ensembles mit teils weniger bekannten Werken aus ihren jeweiligen Heimatländern präsentieren. Inklusive einer Uraufführung der mazedonischen Komponistin Darija Andovska. Ein abwechslungsreicher Reigen, der von Sean Michael Plumb eröffnet wurde. Begleitet vom Rheingold Quartett, erwies sich der US-Bariton bei Samuel Barbers melancholischem „Dover Beach“ als stilsicherer Liedinterpret und schuf mit seiner geschmeidigen Interpretation einen stimmigen Gegenpol zum kraftstrotzenden Vortrag seiner Kollegen Milan Siljanov und Bálint Szabó. Kontraste auch bei den Tenören. Traditionell Irisches von Dean Power, während der Mexikaner Galeano Salas unter anderem mit einem Ausschnitt aus Daniel Catáns Oper „Il Postino“ beeindruckte und umso mehr hoffen ließ, dass der mit ihm geplante „Liebestrank“ im Herbst – in welcher Form auch immer – stattfinden möge.

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