Münchner Luxus-Format

von Redaktion

Das Gärtnerplatztheater testete vorsichtshalber die Abläufe für „Einmal König sein!“

VON TOBIAS HELL

Ja, genau so oder zumindest so ähnlich wie in Corona-Zeiten muss es sich angefühlt haben, als der menschenscheue Ludwig II. einst seine Privatvorstellungen vor leerem Haus über die Bühne gehen ließ. Das dachte man sich wohl auch am Gärtnerplatztheater, wo die Rückkehr nach der nötig gewordenen Zwangspause mit einem Programm begangen wird, das man unter dem Titel „Einmal König sein!“ angekündigt und in Windeseile ausverkauft hatte. Kein Wunder, kommen pro Durchlauf doch gerade einmal 16 Zuschauerinnen und Zuschauer in den Genuss, diesem exklusiven Ereignis beizuwohnen. Großzügig verteilt auf die fünf Logen des Hauses; womit die von der Politik verordneten Abstände mehr als eingehalten sein dürften.

Es ist ein „Luxus-Format“, welches man, wie Intendant Josef E. Köpplinger zu Beginn der Generalprobe verkündete, aber auf jeden Fall durchgezogen hätte, um zumindest ein kleines Lebenszeichen von sich zu geben. Denn nicht nur das Publikum sehnt sich nach dem Lockdown wieder nach Musik und Unterhaltung. Auch das Ensemble an Münchens zweitem Opernhaus scheint hör- und sichtbar darauf zu brennen, endlich wieder auf die Bühne zu gehen.

„Ja, es fehlt langsam schon!“, wie es Bassist Christoph Seidl auf den Punkt brachte, als er sich nach getaner Arbeit am Bühneneingang vom dort versammelten Testpublikum verabschiedete. „Ich hoffe, Ihr hattet auch Spaß!“ Ein frommer Wunsch, der sich mit einem klaren Ja beantworten ließ. Und das nicht nur wegen seiner humorvoll polternden Darbietung der „Fünftausend Taler“-Arie aus Lortzings „Wildschütz“. Ein Werk, das jetzt nicht unbedingt auf dem Speiseplan des Kini zu finden war. Der hatte das Haus zu seinen Lebzeiten bekanntlich eh nie betreten. Und wahrscheinlich hätte er sich auch jetzt nicht besonders wohlgefühlt, nachdem das Programm gleich mit der Revolutionsoper „Andrea Chenier“ eröffnet wurde, aus der Matija Mei die Arie des Gerard mit voluminösem Bariton zum Besten gab.

Keine Gefahr für gekrönte Häupter dagegen bei Jennifer O’Loughlins warm intoniertem „O mio babbino caro“ oder Gyula Rabs operettenselig schmachtendem Schlager „Dein ist mein ganzes Herz“. Trotz notgedrungen spärlich besetztem Haus schallte dem Ensemble da neben anerkennendem Applaus sogar in Probensituation hin und wieder ein zaghaftes „Bravo“ entgegen. Obwohl die Normalität natürlich noch ein gutes Stück entfernt ist und der folgende Satz ein wenig klischeehaft klingen mag: Ein magischer Moment war es trotzdem, als der Vorhang endlich wieder aufging, selbst wenn der rote Stoff sich nur zur Hälfte teilte und lediglich eine dunkle, leer geräumte Bühne erahnen ließ. Ebenso außer Betrieb der Orchestergraben, in dem die geforderten Sicherheitsabstände noch einmal deutlich schwieriger zu realisieren wären. Ein wichtiger Aspekt, der bei der Diskussion um die Öffnung der Theater und Konzertsäle gerne mal vergessen wird.

Für die übrigen Projekte, mit denen der Spielbetrieb nun zumindest teilweise wieder aufgenommen wird, proben die Mitglieder des Orchesters daher in festen, voneinander getrennten Besetzungen und vermeiden abseits der Bühne, so gut es geht, den Kontakt. Ähnlich wie das Ballett, das momentan ebenfalls nur in Vierergruppen trainiert, damit im Falle einer Infektion der Rest des Ensembles gesund bleibt.

Die Ergebnisse dieser schwierigen und lohnenswerten Arbeit lassen sich ab nächster Woche bei drei Galaprogrammen à 50 Plätzen begutachten, mit denen man unter anderem Franz Lehár feiert und Opern- sowie Musicalfans ihren Spaß haben. Ergänzt wird das durch Kammerkonzerte, ein Late-Night-Format und den „Karneval der Tiere“ für das junge Publikum. Wer noch keine Tickets hat, sollte angesichts der wenigen Restkarten nicht mehr lange zögern.

Informationen

unter www.gaertnerplatztheater.de.

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