Die Münchner Literaturwissenschaftlerin, Autorin, Journalistin und Gründerin der Literaturhandlungen, Rachel Salamander, erhält den renommierten Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. Die 71-Jährige habe „couragiert maßgeblich zum Wiederaufbau des jüdischen intellektuellen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland beigetragen“, begründet die Jury ihr Votum. Als Unternehmerin habe sie „mit ihren Literaturhandlungen all die jüdischen Autorinnen und Autoren, deren Bücher einst verbrannt worden waren“, in den Kanon deutscher Literatur zurückgeholt.
In Zeitungen und Zeitschriften diskutiere Salamander zudem öffentlichkeitswirksam über die Bedeutung von Literatur und setze sich ganz im Sinne Heinrich Heines (1797-1856) für Völkerverständigung und gegen Antisemitismus ein.
Der Heine-Preis zählt zu den bedeutendsten Literatur- und Persönlichkeitspreisen in Deutschland und wird seit 1972 verliehen. Er wird an Menschen vergeben, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten. Salamander soll die Auszeichnung im Dezember entgegennehmen.
Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) lobte, mit Rachel Salamander sei eine würdige Preisträgerin gefunden worden, „gerade in Zeiten, in denen sich die hässliche Fratze des Antisemitismus wieder zeigt“. Er freue sich, „dass die Jury ein Zeichen gesetzt hat, dass jüdisches Leben, Kultur und Literatur selbstverständlich zu Deutschland gehören“.
Rachel Salamander wurde 1949 in einem Camp für Überlebende der Schoah in Deggendorf geboren. Sie studierte in München Germanistik, Philosophie und Romanistik und beschäftigte sich intensiv mit deutsch-jüdischer Literatur und Geschichte. Im Jahr 1982 eröffnete sie in München eine Fachbuchhandlung für Literatur zum Judentum, mittlerweile gibt es Zweigstellen in anderen deutschen Städten. Das Stammhaus ist heute im Jüdischen Museum am St.-Jakobs-Platz unweit des Marienplatzes untergebracht.
Salamander war unter anderem Herausgeberin der „Welt“-Literaturbeilage „Literarische Welt“, arbeitete für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und leitete dort das „FAZ-Literaturforum“. Zudem führte sie die „Frankfurter Anthologie“ nach dem Tod von Marcel Reich-Ranicki (1920-2013) fort. Seit 2015 ist Salamander überdies Aufsichtsratsmitglied im Suhrkamp Verlag. Für ihr Schaffen wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt sie 2009 das Bundesverdienstkreuz.
Der Heine-Preis wird heuer zum 22. Mal vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen etwa Carl Zuckmayer, Sebastian Haffner, Walter Jens, Max Frisch, Richard von Weizsäcker, Wolf Biermann, Hans Magnus Enzensberger, Elfriede Jelinek, Amos Oz und Jürgen Habermas. lwd/mih