„Wir sind die Show!“ Das ist das Motto des GOP, das seit 2008 die Varieté-Fans in seinem Münchner Theater am Max-II-Denkmal begeistert. Zwölf Jahre lang war das GOP mit Artistik und Comedy auf Erfolgskurs, bis im März vorläufig die Lichter ausgingen: Keine Vorstellungen mehr wegen Corona. Doch nun kehrt die Show zurück. Am 30. Juli feiert das GOP sein Comeback – mit dem neuen Programm „Bang Bang“ und natürlich mit strengen Gesundheits- und Hygienemaßnahmen. Direktor Peter Weil spricht im Interview über Virus und Varieté. Und er verrät, worauf sich die Zuschauer trotz aller Auflagen freuen können.
Wie fühlt es sich an, wenn es nach vier Monaten endlich wieder losgeht?
Wir sind vor allem erleichtert, und die Vorfreude steigt jeden Tag. Bis vor ein paar Wochen wussten wir ja noch gar nicht, wann und wie es weitergeht. Insofern sind wir froh, dass es jetzt wieder eine Perspektive für unsere Mitarbeiter, für die Künstler und für die GOP-Fans gibt.
Was ändert sich in Corona-Zeiten im GOP, wie viele Plätze dürfen Sie besetzen?
Weil wir im Theatersaal Speisen und Getränke servieren, sind wir eine Art Zwitter aus Show und Gastronomie. Es war nicht ganz einfach, das mit den Behörden abzustimmen. Erst hieß es, wir dürfen entweder nur unsere Show spielen, oder wir dürfen nur Gastronomie betreiben. Beides allein hat für uns natürlich keinen Sinn. Mittlerweile ist klar, dass für uns die Regeln aus der Gastronomie gelten. Das heißt, wir dürfen von unseren ursprünglich 320 Plätzen 180 besetzen. Und weil wir wegen der Abstandsregeln sicher nicht jeden Tisch vollbekommen, läuft es auf gut 150 Plätze hinaus.
Es dürfen ja immer nur Personen aus zwei Haushalten an einem Tisch sitzen. Verlangen Sie da einen Nachweis vom Einwohnermeldeamt?
Nein, das sicher nicht. Wir gehen bei einer gemeinsamen Kartenbestellung davon aus, dass es sich um einen Haushalt handelt. Und bei Bedarf haben wir mobile Trennscheiben aus Plexiglas, die wir am Tisch aufbauen können.
Welche Schutzmaßnahmen gibt es noch? Wie sieht ein GOP-Besuch in Corona-Zeiten aus?
Wir haben jetzt natürlich ganz andere Rahmenbedingungen als zuvor. Das Ganze fühlt sich eher wie eine Neueröffnung an. Es gibt keine Garderobe, die Bar im Foyer bleibt geschlossen. Unsere Gäste sollen also direkt zu ihren Plätzen gehen. Dort dürfen sie ihre Masken für die gesamte Vorstellung selbstverständlich abnehmen. Im Theater haben wir Tische entfernt und Plexiglasscheiben zwischen den Tischreihen eingebaut. Und wir spielen 90 Minuten ohne Pause.
Das klingt nicht zwangsläufig nach dem gewohnten unbeschwerten GOP-Abend.
An die Rahmenbedingungen müssen wir alle uns sicher noch gewöhnen. Aber ich glaube, wenn die Zuschauer erst einmal an ihrem Platz sitzen, dann kommen hoffentlich der Spaß und die Begeisterung zurück. Wir setzen darauf, dass die Leute wieder Lust haben, rauszugehen und etwas zu erleben. Und dafür ist unser neues Programm „Bang Bang“, das den Glamour und die Freude am Leben zelebriert, hoffentlich ideal. Aus den anderen GOP-Theatern in Deutschland, die schon wieder spielen, höre ich jedenfalls, dass die Zuschauer den Abend genießen und das Drumherum irgendwann vergessen.
50 Prozent Auslastung: Lohnt sich das finanziell? Das GOP ist ein Familienbetrieb, hinter dem die ostwestfälische Unternehmerfamilie Grote steht. Sie bekommen keine Subventionen. Wie lange hält man das durch?
Finanziell lohnt sich das nicht. Generell brauchen wir 75 Prozent Auslastung, um wirtschaftlich zu arbeiten. Aber wir wollen zurück, wir wollen ein Zeichen setzen, und wir wollen bei unseren Fans nicht in Vergessenheit geraten. Und wenn wir mit 50 Prozent spielen, sind die Verluste zumindest etwas geringer, als wenn wir weiter geschlossen haben bei laufenden Fixkosten. Aber auf Dauer wird das mit der Hälfte der Plätze sicher nicht gut gehen.
Wann rechnen Sie wieder mit einem komplett gefüllten GOP?
Dazu müsste ich Hellseher sein – oder einer der Illusionisten, die bei uns ab und zu auf der Bühne stehen. Aber mein Gefühl sagt mir, dass das erst wieder klappt, wenn ein Impfstoff zur Verfügung steht, vielleicht im Frühjahr 2021.
Das Gespräch führte Jörg Heinrich.
Weitere Informationen:
„Bang Bang“ läuft vom 30. Juli bis zum 23. August; Karten unter Telefon
089/210 28 84 44, www.variete.de/muenchen und bei den gewohnten Vorverkaufsstellen.