Der Playboy mit dem kreativen Blick

von Redaktion

Gunter-Sachs-Schau in München

VON TERESA GRENZMANN

Er sah, lernte – und setzte noch einen drauf. Ja, er konnte es sich leisten. Aber er war auch ein kluger Investor: in sich selbst. In die schöne, schiere Unerschöpflichkeit des reichen Lebens. Und in die Kunst, mit der er sich umgab und die er selber schuf.

Gunter Sachs (1932-2011) geizte nicht mit den Privilegien, die er hatte. Deshalb wirkt sein Nachruhm immer auch ein bisschen unrühmlich. Nun lädt das Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz dazu ein, den ersten Eindruck zu überdenken. Denn die Ausstellung „Gunter Sachs – Kamerakunst“ zeigt (auch) den Kunstmenschen hinter dem Lebemann, das schöpferische Auge hinter dem Playboy.

Drei voll bepackte historische Räume stehen dem Besucher für diesen Einblick zur Verfügung; die Böden glänzen exzentrisch blau, gelb und rot; auf dem Treppenabsatz laufen fünf Filme in Kurzform; in der Lithografie-Werkstatt laden schwarz-weiße Set-Fotos dazu ein, Stationen aus dem Leben des Regisseurs und Fotografen Sachs mitzuerleben. Ja, alles hier atmet eine gehörige Prise Celebrity-Luft – Leichtigkeit, Nacktheit, Saint-Tropez. Umso erstaunlicher sind die Referenzen, auch Kontraste, mit denen die Schau fotografische Werke aus seiner zeitgenössischen Sammlung (Werner Pawlok bis Fréderic Fontenoy, Jaschi Klein bis Natascha Küderli) mit fotografischen Werken aus Sachs’ eigener Hand kombiniert. Gebündelt in die Kapitel Porträt-, Natur- und Landschafts-, Mode-, Akt- sowie experimentelle Konzept- und Kunstfotografie, wirkt da fast alles, was nicht den Namen Sachs trägt, brav und bescheiden, monochrom und unspektakulär.

Es sei denn, er selbst ist der Porträtierte: Henri Cartier-Bresson? Fotografierte den gebürtigen Schweinfurter 1966. Andy Warhol? Setzte dem Freund in einer seiner berühmten Grafiken 1972 ein Denkmal. Das war das Jahr, in dem Sachs Warhol nach Hamburg in die Galerie an der Milchstraße holte. Da sich keine der 35 Arbeiten verkaufte, erwarb er rund ein Drittel schließlich selbst. Es war auch das Jahr, in dem Sachs’ Pläne, in München ein Museum für Moderne Kunst einzurichten, scheiterten.

Sein fotografisches und filmisches Schaffen begann in den Sechzigerjahren. Weil ihm das Filmset ob des großen Teams rasch lästig wurde, wechselte er zur Fotokamera: „die schönste der ernsten Beschäftigungen in meinem Leben“. 1976 erhielt Sachs den Leica-Preis. Sein Antrieb sei Ästhetik, formulierte er, kleidete Claudia Schiffer als Mata Hari, Cleopatra oder 1991 als „Vier Jahreszeiten“ und feierte den weiblichen Akt.

Der schlaue Autodidakt hatte Mathematik studiert, veröffentlichte 1995 einen Bestseller über Astrologie. Vielleicht rührt daher die geometrische Präzision seiner fotografischen Inszenierungen, insbesondere der surreal anmutenden Lichtbilder aus den Achtzigerjahren oder der seriellen digitalen Wiederholungen wie in seiner „Hommage à Christo“ (1996). Wer sich eingehender und in voller Länge mit Sachs’ filmischem Werk befassen möchte, beispielsweise mit dem olympisch ausgezeichneten Sportfilm „Happening in White“, 1972 technisch visionär gedreht in Superzeitlupe wie extremer Beschleunigung, wird im Sommerkino des Künstlerhauses, jeweils sonntags um 11 Uhr, fündig werden.

Bis 30. August,

Mo. 11-20 Uhr, Di.-So. 10.30-18.30 Uhr,

Katalog (Hirmer): 39 Euro; www.kuenstlerhaus-muc.de

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