Positives Denken fällt im kulturellen Sektor momentan nicht immer leicht. Trotzdem wollen sich auch die Münchner Symphoniker nicht unterkriegen lassen, die jetzt ihren Plan A für die kommende Saison vorstellten. Dass sie daneben „über B, C und D, vielleicht sogar über E und F nachdenken“, daraus macht Kevin John Edusei kein Geheimnis. Alles andere sei ebenso blauäugig wie unseriös. Doch ist es dem Chefdirigenten wichtig, dass die Alternativen keineswegs nur leicht konsumierbare Notfallrationen sind, sondern die dramaturgische Linie gewahrt bleibt. Gleiches gilt für die Gastverträge, an denen man in allen Varianten festhalten möchte.
„Der erste Schritt wäre zum Beispiel kleinere Besetzungen. Und wenn das nicht geht, werden wir inhaltlich trotzdem bei denselben Komponisten bleiben“, sagt Edusei. Im Falle des ersten Abo-Konzerts Anfang Oktober wären dies neben John Adams noch Richard Strauss mit seinem Oboenkonzert und Béla Bartók mit dem Konzert für Orchester. Zwei Partituren aus dem Gründungsjahr der Symphoniker 1945 und somit ideal für den Festakt zum 75. Geburtstag, den man mit dem Publikum feiern möchte. In welchem Rahmen auch immer.
„Wir müssen die neuen Richtlinien abwarten, die wahrscheinlich im September kommen“, räumt Intendant Tilman Dost ein. „Aber wir wollen wieder spielen. Und wir werden auch wieder live spielen – selbst wenn nicht viel Publikum im Saal möglich ist.“ Wie fast alle Orchester haben auch die Münchner Symphoniker versucht, in den Monaten des Homeoffice zumindest digital Präsenz zu zeigen. Eine Dauerlösung ist dieses kostenlose Verfügbarmachen von Musik für Dost allerdings nicht. Und so hat man, selbst wenn eine der drei Abo-Reihen vorerst für ein Jahr pausiert, wieder ein abwechslungsreiches Paket geschnürt.
Chefdirigent Edusei wird sieben Programme bestreiten, daneben darf man sich auf eine Reihe interessanter Gastkünstler freuen. So gibt etwa der aufstrebende Darmstädter Generalmusikdirektor Daniel Cohen mit Schumann und Glasunow sein Symphoniker-Debüt, während der vom Gärtnerplatz bestens bekannte Andreas Kowalewitz beim Neujahrskonzert Melodien von Lanner, Offenbach und der Strauß-Dynastie dirigiert. Ein Wiederhören gibt es mit Emmanuel Tjeknavorian, der diesmal Geigenbogen mit Taktstock tauscht und Mozarts „Jupiter-Symphonie“ mit Werken dreier Komponisten kombiniert, die zu ihrer Zeit jeweils als „neuer Mozart“ gefeiert wurden: Joseph Martin Kraus, Juan Crisóstomo de Arriaga sowie François Devienne.
Mit solch spannenden Kombinationen möchte Edusei das Profil seines Ensembles weiter schärfen. „Es kann nicht nur bei der Pflege des klassischen Repertoires bleiben. Wir wollen als Orchester auch gesellschaftliche Entwicklungen abbilden.“ Sei es der kulturelle Austausch, indem man Strawinsky und Ravel das „Shamisen Concerto“ von Dai Fujikura zur Seite stellt. Oder das Aufeinandertreffen des ideologisch belasteten Richard Wagner mit dem jüdischen Uraufführungsdirigenten des „Parsifal“, Hermann Levi, dessen vor wenigen Jahren wiederentdecktes Klavierkonzert mit Musik des Bayreuther Meisters und der von Mendelssohn Bartholdy zur Diskussion gestellt wird. Bis dahin verabschiedet man sich am Freitag und am kommenden Dienstag aber erst einmal noch mit zwei Kammerkonzerten.
Informationen
zum Programm und zum Vorverkauf online unter
www.muenchner-
symphoniker.de.