Ein Leben für die Katz

von Redaktion

Comic-Zeichner Jim Davis, der mit „Garfield“ berühmt wurde, feiert seinen 75. Geburtstag

VON CHRISTINA HORSTEN

Eigentlich hatte Jim Davis an Comics über eine Mücke gearbeitet, „Gnorm Gnat“ sollten die heißen. Aber niemand zeigte Interesse daran. „Deine Witze sind super, aber Insekten – damit kann sich doch niemand identifizieren“, habe ihm einmal ein Zeitungsmanager gesagt, erinnerte sich Davis im Interview mit dem „Guardian“. „Ich habe mir dann die damals existierenden Comics noch einmal alle ganz genau angeschaut. Ich sah, dass Hunde sich gut machen. Aber ich sah keine Katzen.“

Also erfand Davis im Jahr 1978 selbst eine, benannte sie nach seinem Großvater – und Garfield wurde zur berühmtesten Comic-Katze der Welt. Der orangefarbene Kater ist dick, faul, griesgrämig, liebt Lasagne und Fernsehen. Davis, der heute 75 Jahre alt wird, schuf ihn nach den dutzenden Katzen, die über den Bauernhof im US-Bundesstaat Indiana streunten, wo er aufwuchs.

Weil er als Kind an Asthma litt, verbrachte er viel Zeit im Haus und entdeckte seine Liebe zum Zeichnen. Später studierte er Kunst und arbeitete in einer Werbeagentur, bevor er 1969 einem Comic-Zeichner als Assistent zur Seite stand. Um Garfield herum erfand Davis weitere Figuren: Herrchen Jon, Hund Odie, Tierärztin Liz und Katzenbaby Nermal. Immer mehr Zeitungen druckten die Comics – 1983 waren es schon rund 1000. Heute sind sie laut „Guinness-Buch der Rekorde“ die am weitesten verbreiteten Comics der Welt. Zudem gibt es Garfield unter anderem auch als Bücher, Filme, TV-Serien, Musicals, auf Tassen, Kleidungsstücken, als Spielzeug und Stofftier. Der dicke Kater hat seinem Erfinder ein kleines Comic-Imperium beschert.

Davis’ Erfolgsrezept ist simpel: Witz und Humor Garfields bleiben allgemein, damit sich jeder wiedererkennen kann. „In den ersten zwei oder drei Jahren habe ich all die offensichtlichen Katzenwitze aus dem Weg geräumt“, erinnert sich der Zeichner. „Jetzt kann ich davon profitieren, dass die Menschen ihn kennen.“ Soziales oder gar Politisches kommt dem Philosoph unter den Katzen nicht über die Lippen. „Von allem Politischen halte ich mich bewusst fern, denn das steht ja im Rest der Zeitung. Die können damit besser umgehen“, sagt Davis. „Ich kümmere mich um die grundlegenden Sachen: Essen und Schlafen – und ich sage voraus, dass auch in 40 Jahren jeder noch essen und schlafen wird.“ Die „Garfield“-Comics sollten Frohsinn verbreiten und Menschen aufheitern, sagt Davis – im Internet-Zeitalter ist sein Kater zum „King of Cat Content“ geworden. Noch immer zeichnet Davis alle Strips selbst, unterstützt von einem Team und seit 2011 auf dem Computer. Der „Garfield“-Erfinder sei „dieser Tage in einer Phase des Übergangs in ein ruhigeres und privateres Leben“ und gebe deswegen keine Interviews, sagte eine Sprecherin kurz vor dem Ehrentag. Die „Katze im Menschenfell“ mit der „perfekten Figur für ihr Gewicht“ hat sich über die Jahre verändert, Mund und Augen sind größer geworden, der Körper kleiner. „Wir leben in einer Zeit, in der wir uns schuldig dafür fühlen sollen, dass wir zu viel essen, zu viel schlafen und uns nicht bewegen. Garfield macht das nicht nur alles, sondern er findet es auch gut so. Auf eine Art nimmt er uns die Schuldgefühle. Er ist unser aller Alter Ego.“

Auch nach mehr als 40 Jahren werde ihm das Zeichnen nicht langweilig, sagt Davis. „Ich versuche immer noch, es genau richtig hinzubekommen. Wenn man hin und wieder aus irgendeiner Ecke einen albernen Gag herzaubern kann, der die Leser amüsiert. Das ist viel wert. Das ist es, worum es mir immer geht. Eines Tages würde ich gerne den Gag schreiben, der die ganze Welt zum Lachen bringt.“ Die ersten 42 Jahre Garfield hätten sich angefühlt „wie ein Schnips mit dem Finger. Ich möchte es noch so lange machen, wie ich das Gefühl habe, dass ich etwas beizutragen habe. Es gibt keine Ruhestandspläne, bis mir jemand auf die Schulter klopft und sagt: ,Jim, du bist nicht mehr lustig.‘“

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