Der zurückhaltende Star

von Redaktion

NACHRUF Trauer um den bayerischen Volksschauspieler Fred Stillkrauth

VON RUDOLF OGIERMANN

Dialekt zu sprechen ohne ihn auszustellen, ältere und alte Männer zu spielen, ohne sie zu Klischee-Opas zu verkitschen – nicht viele gibt es, die das können aus der älteren Schauspielergeneration. Zu groß für viele die Versuchung, mehr zu tun, als es für die Figur gut ist. Fred Stillkrauth hat dieser Versuchung nie nachgegeben – er spielte stets nah am Leben, er war authentisch. Nun ist der Schauspieler, der in den vergangenen Jahren so viele bairisch getönte Produktionen mit seiner Mitwirkung adelte, im Alter von 81 Jahren gestorben. Das bestätigte sein Sohn unserer Zeitung.

Dass Stillkrauth stets ein „stiller Star“ war, einer, der nie das Blitzlichtgewitter suchte, passte zu seiner Berufsauffassung, sich ganz in den Dienst der jeweiligen Geschichte zu stellen, die da erzählt werden sollte. Autoren und Regisseure schätzten das und besetzten ihn für die unterschiedlichsten Rollen in den unterschiedlichen Genres – in Filmen und Serien, in Dramen und Komödien.

Der gebürtige Münchner überließ zu Beginn seiner Karriere nichts dem Zufall, er ließ sich an der renommierten Otto Falckenberg Schule ausbilden, absolvierte einen harten Unterricht, um allen Anforderungen der experimentierfreudigen Theatermacher Anfang der Sechzigerjahre gewachsen zu sein. Ein erstes Engagement erhielt er am Theater der Jugend. „Das war eine verrückte Zeit, das war ja grad so der Anfang vom Leben“, erinnerte er sich vor einigen Jahren im Gespräch mit unserer Zeitung. Schnell wurden die Bühnen größer, Stillkrauth wechselte ins Ensemble der Münchner Kammerspiele und später ans Bayerische Staatsschauspiel.

Hauptrollen spielte er selten – und doch oder gerade deshalb war er unverzichtbar für die Regisseure. Bei ihm waren auch die Figuren aus der zweiten und dritten Reihe in den besten Händen. Deshalb führte an ihm kein Weg vorbei, als es darum ging, nach dem Tod von Fritz Straßner die Titelrolle in Kurt Wilhelms Kultstück „Der Brandner Kaspar und das ewig Leben“ neu zu besetzen. Stillkrauth übernahm – und löste die Aufgabe bravourös.

Mit verschmitztem Understatement nahm der Schauspieler auch die eine oder andere „Komödienstadel“-Produktionen mit – da hatte er sich mit großen Kino- und Fernsehproduktionen wie „Steiner – das eiserne Kreuz“ oder „Sachrang“ längst auch vor der Kamera profiliert. Von da an stand Stillkrauth ganz oben auf der Liste, wenn des darum ging, gestandene (Ober-)Bayern zu spielen, überzeugend, präsent, aber nie auf Kosten seiner Mitspielerinnen und Mitspieler. Meilensteine der Fernsehgeschichte waren dabei wie „Zur Freiheit“, „Löwengrube“ oder „Café Meineid“, Dramen wie „Das schreckliche Mädchen“, Heimatfilme wie „Hölleisengretl“ oder „Krambambuli“.

Im an echten Originalen seines Alters armen Ensemble der Münchner Krimidarsteller musste sich der Mann mit dem zuletzt charakteristisch gewordenen grauen Bart nicht laut zu Wort melden – was sowieso nicht seine Art war. Die Macher waren froh, auf einen wie ihn für den „Tatort“ oder den Münchner „Polizeiruf“ zählen zu können. Einen, der sich auf neue Herausforderungen einließ, denn: „Man muss mit dem Herzen immer gerade dabei sein, wo man gerade ist, das geht ja gar nicht anders.“ Unvergessen seine Rolle als pensionierter Ermittler in der „Tatort“-Episode „Der oide Depp“.

Zuletzt war Stillkrauth eines der Gesichter des modernen Heimatfilms, seine Rollen in „Das Wunder von Merching“ und in „Falsche Siebziger“ bleiben in Erinnerung. Der bayerischen Film- und Fernsehlandschaft wird er fehlen.

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