Wenn alles nach Plan läuft, wartet am Ende der gerade gestarteten Staatsopern-Saison mit dem Tristan einer der größten tenoralen Brocken überhaupt auf Jonas Kaufmann. Umso spannender war es daher, den Publikumsliebling nun noch einmal im kleinstmöglichen Format mit Schuberts „Schöner Müllerin“ im Münchner Nationaltheater zu erleben.
Anders als bei seiner letzten hier zu hörenden Auseinandersetzung mit dem berühmten Zyklus schien Kaufmann diesmal allerdings mit leicht belegter Stimme ins Rennen zu gehen. So musste er sich etwa beim „Feierabend“ auch zwischendurch mehrfach räuspern und benötigte die ersten Lieder noch, um sich langsam freizusingen. Spätestens bei „Des Müllers Blumen“ trat auch nun das Bühnentier in Kaufmann hervor, der sich immer dann am wohlsten zu fühlen schien, wenn die zuvor sorgsam im Zaum gehaltenen Emotionen endlich aus ihm herausbrechen durften.
Hier nun kam Klavierbegleiter Helmut Deutsch ins Spiel, über den sich gar nicht genug Lob ausschütten lässt. Wobei das Wort „Begleiter“ sofort relativiert werden muss. Denn bei den Auftritten dieses bestens aufeinander eingespielten Duos gibt es keine Hierarchien. Man erlebt stets zwei gleichberechtigte Partner, die einander bewusst zuhören und sich gegenseitig Raum geben.
Mit sanftem, aber autoritärem Anschlag etablierte Deutsch eine gewohnt solide Basis, auf der Kaufmann dankbar aufbaute. Mal mit bewusst gesetzten Ruhemomenten, mal unnachgiebig vorandrängend.
Und wenn dem Tenor dann doch einmal das Temperament durchging, konnte man sich sicher sein, dass das Klavier diesen Ausbrüchen ebenso kraftvolle Töne entgegenzusetzen hatte. Ein nuancenreiches Geben und Nehmen, das auch in den vom Publikum eingeforderten Zugaben kontrastreich zelebriert wurde.