Die Pralinen ausgepackt

von Redaktion

40 Jahre Münchener Freiheit: Stefan Zauners neues Album mit köstlichen Hits

So lang man Träume noch leben kann, soll man sie sich erfüllen. Stefan Zauner, bis 2011 wahres Goldkehlchen der Münchener Freiheit, hat jetzt so einen Wunsch wahr werden lassen. Er hat seine Lieblingslieder der Freiheit in seinem Studio in der Nähe von Mühldorf noch einmal neu gesungen, aufgenommen und produziert – pünktlich zum 40-jährigen Bestehen der Band, die er im Oktober 1980 zusammen mit Gitarrist Aron Strobel gegründet hatte. Ergebnis von Stefan Zauners Reise mit der Zeitmaschine ist das Solo-Album „Die Freiheit nehm ich mir“, das am Freitag erscheint. Der 68-Jährige verrät im Interview, wie daraus eine Art Pralinenschachtel für alte und neue Fans wurde.

Sie haben seit der Trennung der Band ja vier Solo-Alben veröffentlicht. Wie kam es jetzt zu der Idee, 20 alte Titel neu zu produzieren?

Eigentlich wollte ich die Lieder als Rückblick auf 40 Jahre Freiheit mit Orchester neu aufnehmen. Aber dann kam Howard Carpendale mit seinem Orchesteralbum…

…und hat Ihnen die Idee geklaut.

Ich würde eher sagen, er hatte zur gleichen Zeit die gleiche Idee. Und ich dachte mir, das schaut abgekupfert aus, wenn ich jetzt auch noch mit Orchester ankomme. Daraus entstand dann als zweiter Plan, dass ich vor allem die Songs unserer ersten Alben, die noch recht schlicht und unbeholfen produziert waren, mit den heutigen Möglichkeiten neu aufnehme.

Das sind dann weniger bekannte Titel wie „Zeig mir die Nacht, Marie“ und „Tut so gut“.

Oder auch „Halb gewonnen“. Da waren Sachen dabei, die leider völlig untergegangen sind, obwohl es starke Songs waren. Aber ich hatte damals wirklich nicht viel Ahnung, wie man das im Studio gut hinbekommt. Diese Pralinen noch einmal auszupacken und so klingen zu lassen, wie ich mir das eigentlich gedacht hatte – das hat Riesenspaß gemacht.

Die Auswahl ist ja durchaus überraschend. Viele der Stücke wie „Es ist in Dir“ sind eher unbekannt. Dafür verzichten Sie auf Kracher wie „S.O.S.“, „Oh Baby“ oder „Bis wir uns wiederseh’n“.

Es wäre natürlich naheliegend gewesen, die ganzen Hits auf eine Platte zu packen. Das hätte mich aber gelangweilt. Das haben wir damals ja schon x-mal gemacht, da kamen erst die größten Hits und dann die größten Schmusehits. Mit den unbekannteren Liedern ist jetzt so viel Spannendes passiert. Die meisten habe ich ganz bewusst entschlackt und auf ihren Kern reduziert. Und aus der Ballade „Lass mich nie mehr los“ haben wir eine Up-Tempo-Nummer gemacht.

Wir – das sind Sie und Ihre Frau Petra Manuela, die schon auf den Solo-Alben mitgesungen hat.

Ganz genau. „Lass mich nie mehr los“ schneller zu produzieren, war ihre Idee. Das hat so gut funktioniert, dass der Song jetzt als Single erschienen ist. Und einige Hits wie „Tausendmal Du“ oder „Ohne Dich“ sind ja auch mit drauf.

Wann haben Sie diese Sachen zum letzten Mal gesungen?

Vor gut zehn Jahren, vor der Trennung von der Freiheit. Da sind schon viele Erinnerungen hochgekommen beim Singen im Studio, da war ich wieder ganz in meinem Metier wie damals – zum Beispiel mit den Rhythmuswechseln in „Halb gewonnen“, die mich bei Police so inspiriert haben.

Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Ihrer ehemaligen Band? Sie standen damals ja monatelang mit einem verschleppten Herzinfarkt auf der Bühne, das war alles nicht sehr erfreulich.

Am ehesten mit Schlagzeuger Rennie Hatzke, der wohnt bei uns in der Nähe im Münchner Osten. Mit den anderen weniger.

Wenn die neue Platte ein Erfolg wird – sieht man Sie dann wieder live auf der Bühne?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich gebe ja seit 2011 keine Konzerte mehr, weil der Aufwand mit Band, mit Übungsraum und so weiter einfach riesengroß ist – und weil ich mich beim Tüfteln im Studio wohler fühle, wenn ich jedes Instrument selber spielen kann. Mir wird die Fantasie so schnell nicht ausgehen.

Das Gespräch führte Jörg Heinrich.

Stefan Zauner:

„Die Freiheit nehm ich mir“ (Deutsche Austrophon).

Fernsehhinweis: Zauner ist am Sonntag, 13. September, ab 11.50 Uhr zu Gast im „Fernsehgarten“ des ZDF.

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