Untote und Geister einiger verblichener Legenden tummeln sich im neuen Gedichtband Marcel Beyers in düsteren Räumen. Mit „Dämonenräumdienst“ zeigt der Büchner-Preisträger eindrucksvoll, dass Sprache für ihn immer auch ein Aufbegehren gegen die eigenen Gespenster bedeutet. Ein Kampf um die eigene Vita und deren Deutung, ein zähes Ringen um einen Hauch von Glück.
Dabei erweisen sich die titelgebenden Dämonen letztendlich gar nicht als so schaurig und unheimlich, wie anfangs zu befürchten ist. Beyer sucht nach Abgründen – in der Sprache wie auch in den Geschichten, die er in den kurzen Zeilen entwirft. Als Thema ist das Rattansofa ebenso recht wie Bambi, Micky Maus, das Hündchen von Rudolph Moshammer oder Hildegard Knef.
Jedes Gedicht erzählt in klarer, knapper Sprache eine neue Geschichte aus einer anderen Perspektive. Bei seinem Abarbeiten gängiger Zombies der Popkultur beweist der Wahl-Dresdner in jedem Poem neben seiner enormen Sprachvirtuosität vor allem eines: Humor. Bis auf die Verse übers eigene Elternhaus findet sich davon jede Menge auf den 173 Seiten.
Fast jedes Gedicht ist exakt 40 Zeilen lang. In fünf Zyklen zu je vier Gedichten portioniert. Diese formale Strenge steht nicht nur mit einem Text in enger Verbindung zum Leben im Haus des Vaters, das Beyer heraufbeschwört und das mit einer Bilderbuch-Kindheit herzlich wenig zu tun hatte. Doch wie viel Autobiografisches tatsächlich im lyrischen Ich-Erzähler steckt, bleibt weiterhin ein Geheimnis.
Aber sogar die schlimmsten Dämonen haben dem Dichter die Freude an der Sprache, am lustvollen Spiel mit Worten und Begriffen, nie ausgetrieben, scheint es. Er jongliert elegant mit Bildern und Versen. Gibt zwischendurch auch gerne mal kühne Ratschläge, etwa im Gedicht mit dem Titel „Kalk“: „Fragen Sie sich bei allem, was Sie tun, zunächst: Was würde nun mein Schlüsselbein dazu sagen?“
Marcel Beyer:
„Dämonenräumdienst“. Suhrkamp Verlag, Berlin, 173 Seiten; 23 Euro.