Auf der einen Seite die „Buddenbrooks“, auf der anderen „Ballermann 6“ – der Regisseur und Kameramann Gernot Roll legte sich nicht auf ein Genre fest. Seit Beginn seiner Karriere in den Sechzigern drehte er eine enorme Bandbreite an Filmen. Gestern ist der Bildgestalter im Kreise seiner Familie gestorben, teilten die Angehörigen des 81-Jährigen mit.
Roll, der am 9. April 1939 in Dresden zur Welt kam, war schon früh vom Film begeistert. Mit 14 Jahren begann er eine Ausbildung zum Kameramann und verdingte sich danach bei den Defa-Studios in Berlin-Babelsberg. Sein erster Film als Kameraassistent: das Märchen „Das singende, klingende Bäumchen“. 1960 ging er nach Westdeutschland. Seine erste Station: die Bavaria Film in München. Er drehte Serien wie „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ oder „Tatort“-Folgen. Der Durchbruch gelang Roll mit der gefeierten 16 Stunden langen TV-Serie „Heimat – Eine deutsche Chronik“ von Edgar Reitz (1984). Reitz erlebte die Zusammenarbeit als etwas Besonderes. Viele Werke folgten, etwa Caroline Links „Jenseits der Stille“, das Dokudrama „Brecht“ von 2019 oder Helmut Dietls „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“. Roll führte auch selbst Regie, etwa bei „Der Räuber Hotzenplotz“, 2006.
Und dann gab es noch die andere Seite, so wie „Ballermann 6“, „Werner eiskalt“ oder die Komödie „Männersache“ mit Mario Barth. Roll ging mit diesem Spannungsfeld seines Werks gelassen um. In der Tat ist sein Schaffen beachtlich, davon zeugen die vielen Preise, die Roll erhalten hat: Mehrere Grimme-Preise, etwa für den TV-Dreiteiler „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer, den Deutschen Kamerapreis, den Deutschen Filmpreis und viele mehr.
Für die Münchner Filmwelt ist Gernot Rolls Tod ein Verlust. Er liebte den Film, auch seine Frau Rita Serra-Roll ist in der Branche, sein Sohn ist der Schauspieler Michael Roll. Eine Freundschaft verband ihn mit dem im Februar verstorbenen Joseph Vilsmaier, der ebenso wie er selbst Kameramann und Regisseur war.