Friedrich Hölderlin (1770-1834) zählt zu den bekannten Unbekannten unter den deutschen Klassikern. Wie viel er in seinem Leben gelitten hat, bezeugen seine Briefe. In der Lesung von Reiner Unglaub steht Hölderlins Jugendphase von 1787 bis 1793 im Mittelpunkt, seine Abschlussjahre in der Klosterschule von Maulbronn und seine Ausbildung im Tübinger Stift. Der Duktus der Korrespondenz an die Mutter, an Schwester Rike und seinen Bruder Karl ist stets der gleiche: auf der einen Seite Bitten um Geld, Verständnis und Unterstützung, auf der anderen Seite langwierige Erklärungen, warum er jetzt doch keine kirchliche Tätigkeit anstrebt, diesen oder jenen Posten nicht übernehmen kann und deshalb (noch) kein Geld verdient. Unglaub liest die Sorgen des Dichters einfühlsam mit sanfter Stimme, die unter der ruhigen Oberfläche sehr viel Gefühl und Emphase ahnen lässt. hilo