Das Bayerische Hauptstaatsarchiv hat sich den Nachlass der angeblichen Zarentochter Anastasia gesichert. Anastasia Anderson Manahan erlangte mit ihrer mehrfach verfilmten Lebensgeschichte weltweite Aufmerksamkeit. Die Biografie der jungen Frau, die angeblich während der Russischen Revolution als einziges Mitglied der Zarenfamilie der Erschießung durch die Bolschewiken entging und danach vergeblich auf Anerkennung hoffte, enthält alle Elemente einer modernen Tragödie. Ingrid Bergman spielte sie 1956 in „Anastasia“; im selben Jahr entstand in Deutschland der Film „Anastasia, die letzte Zarentochter“ mit Lilli Palmer.
Durch eine DNA-Analyse an den sterblichen Überresten der Zarenfamilie wurde 2007 eindeutig festgestellt, dass auch die jüngste Romanow-Tochter 1918 ermordet wurde. Damit war klar, dass Anderson Manahan nicht die Großfürstin Anastasia von Russland gewesen sein kann.
Über viele Jahre hinweg sammelten Freunde und Bevollmächtigte fortan Dokumente, die belegen sollten, dass Anastasia doch die Tochter des letzten russischen Zaren war. So entstand das sogenannte Anastasia-Archiv. Neben Korrespondenzen mit ihren Unterstützern finden sich darin Geschäftsdokumente, die etwa die publizistische und filmische Vermarktung ihres Lebens regelten. Hinzu kommen Prozessunterlagen und Rechtsanwaltskorrespondenzen, die den über mehrere Jahrzehnte geführten Kampf um Anerkennung dokumentieren. Einblick in die Persönlichkeit Anastasias gäben auch ihre Testamente, erklärten die bayerischen Wissenschaftler. Darüber hinaus enthalte das Archiv eine Vielzahl von Erinnerungen und Zeugenaussagen, die als Belege für die Identität Anastasias dienen sollten.
Anderson Manahan starb am 12. Februar 1984 in Charlottesville in den USA und wurde auf dem orthodoxen Teil des Friedhofs in Seeon (Landkreis Traunstein) begraben. Hier sind auch die Grabstätten von Angehörigen der Herzöge von Leuchtenberg. Diese waren dem Zarenhaus der Romanows verbunden und fungierten als Anastasias wichtigste Fürsprecher. kna