Jetzt dichtet sie auch noch. Mary Halvorson, originellste Jazz-Gitarristin des 21. Jahrhunderts, hat für ihre Band Code Girl erstmals Texte (oder besser: verrätselte Poeme) geschrieben, von der klassisch ausgebildeten Sängerin Amirtha Kidambi expressiv interpretiert. Drum herum hat sie Musik komponiert, die fast wie akustische Halluzinationen wirkt, so unfassbar changieren die Klänge zwischen Singer-Songwritertum, Art Rock und Avantgarde-Jazz: befremdend und betörend wie ein Hörfilm von David Lynch. Dass die unvergleichlich zart-brüchige Stimme der englischen Prog-Rock-Legende Robert Wyatt drei der acht Songs ein Sahnehäubchen aufsetzt, ist auch kein Zufall. Mit Code Girl lässt sich Mary Halvorson kunstvoll zwischen alle Stühle (und Stile) fallen – wer ihr ins unregulierte musikalische Niemandsland folgt, bekommt Unerhörtes auf die Ohren. run