Mit den vier Werken des „Birkenau“-Zyklus kann die Nationalgalerie Berlin künftig eine wichtige Serie des Malers Gerhard Richter in ihren Häusern präsentieren. Die gerade noch in New York gezeigte Leihgabe des 89-Jährigen wurde nun in Berlin vorgestellt. Insgesamt soll die Nationalgalerie mehr als 100 Arbeiten des Malers erhalten.
Richter wird in der Hitliste des „Kunstkompass“ seit 17 Jahren als weltweit wichtigster Künstler geführt. Die „Birkenau“-Arbeiten werden zunächst zusammen mit der aus 2019 stammenden vierteiligen Arbeit „Grauer Spiegel“ bis September in der Alten Nationalgalerie gezeigt. Der Zyklus wird anschließend zu einer in Japan geplanten Richter-Schau wandern. Von 2023 an sollen die Arbeiten dann in der frisch sanierten Neuen Nationalgalerie präsentiert werden, die im kommenden August wiedereröffnet werden wird. Am Ende ist geplant, den Zyklus dauerhaft im Museum der Moderne zu zeigen, mit dessen Bau gerade begonnen wurde. Dort gehört Richter dann neben Rebecca Horn oder Joseph Beuys zu den wenigen Künstlerinnen und Künstlern, für die eigene Präsentationsräume und -flächen vorgesehen sind.
Wie bei der aus 15 Gemälden bestehenden RAF-Serie „18. Oktober 1977“ hat Richter auch beim „Birkenau“-Zyklus zunächst Fotos in unscharf wirkende Gemälde übertragen. Ausgangspunkt bei „Birkenau“ sind dabei vier Schwarz-Weiß-Fotografien, die Insassen des Konzentrationslagers aufgenommen hatten und die 1944 aus dem KZ geschmuggelt worden waren.
Die jeweils 2,60 mal zwei Meter großen Werke überzog Richter mit mehreren ineinander übergreifenden Farbaufträgen. Dadurch ist vom ursprünglichen Motiv nichts mehr erkennbar. „Es stellt einen malerischen Versuch dar, sich mit diesem Kapitel der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen und sich dem künstlerisch zu nähern“, sagte der Leiter der Alten Nationalgalerie, Ralph Gleis.