Lloyd Cole gehört immer noch zu den eher unbesungenen Giganten der Liedermacherzunft. In seinen jungen Jahren Mitte der Achtziger sah es kurz so aus, als habe er das Zeug zum Star (das Aussehen hatte er). Doch die cleveren, tief melancholischen Texte und mitreißenden Melodien blieben ein Kult in Spezialistenkreisen. Nun veröffentlicht Cole seine mittlere Schaffensphase neu – erstmals auch auf Vinyl. Den Anfang macht „Antidepressant“ von 2006, wo Cole seinen Folkrock mit leichten elektronischen Verzierungen versieht. Selten ist der Schotte dem perfekten Popsong so nahe gekommen wie mit „Woman in a Bar“ – einer als Bühnenanweisung verfassten ironischen Betrachtung über den mittelalten Mann, den nicht einmal Scarlett Johansson mehr in Wallung bringt. Andere Juwelen in Coles Werk sind die desillusionierten „Young Idealists“ und „New York City Sunshine“. Eine großartige Platte – um das schöne „Coattails“ (als Vinyl-Single) ergänzt –, die hoffentlich neue Fans gewinnt. lö