Noch stecken wir mitten in der dritten Corona-Welle, und doch wagen sich optimistische Kammermusik-Veranstalter aus der Deckung und machen Hoffnung auf einen musikalischen Sommer und Herbst: Nicht nur im Nymphenburger Schloss (wir berichteten), sondern auch im Bibliothekssaal des Schlosses Herrenchiemsee soll wieder Musik erklingen. Die dortigen Inselkonzerte Herrenchiemsee sollen ab Mai stattfinden und werden heuer zum dritten Mal von den beiden Promi-Musikern Nils Mönkemeyer (Bratsche) und William Youn (Klavier) verantwortet.
Unter dem Motto „Dialoge“ haben sie ein höchst abwechslungsreiches Programm mit acht Konzerten zusammengestellt. Auch im vergangenen Jahr hatten die beiden acht Termine geplant, doch dann funkte Corona dazwischen. „Wir hatten Glück, denn die Schlösser- und Gartenverwaltung unterstützte uns mit ihrem bereits fürs Museum ausgearbeiteten Hygienekonzept, und so konnten wir sechs Konzerte realisieren, die jeweils zweimal angeboten wurden“, berichtet Mönkemeyer.
Auch heuer werden die eingeladenen Kolleginnen und Kollegen vormittags und nachmittags auftreten. Youn erinnert sich: „Für die Musiker war das natürlich körperlich anstrengender, aber alle waren einfach froh, wieder vor Publikum spielen zu können. Es war übrigens interessant zu beobachten, wie sich die Interpretationen beim zweiten Mal veränderten…“
Die Kammerkonzerte im wunderschönen Bibliothekssaal (99 Plätze, in Corona-Zeiten nur 50) haben eine ganz besondere Intimität. Künstlerinnen und Künstler machen bereitwillig mit und genießen die Atmosphäre auf der Insel, natürlich auch die gemeinsame Schiffsfahrt dorthin. „Bisher haben wir kein einziges ‚Nein‘ auf unsere Einladungen bekommen, obwohl wir manchen Musikern nicht die für sie üblichen finanziellen Konditionen bieten können“, sagt Youn. Und Mönkemeyer fügt hinzu, dass nur aufgrund dieser „Freundschaftspreise“ das anspruchsvolle Niveau gehalten werden könne.
Während die beiden im Vorfeld austüfteln, wen sie einladen möchten, um die bis in den November reichende Serie attraktiv zu gestalten, überlassen sie die detaillierte Programmgestaltung den Musizierenden – zu denen sie sich gelegentlich gesellen. Dabei wollen sich die beiden keineswegs aufdrängen, aber wenn zwei Musiker ein Festival verantworten, will das Publikum sie auch erleben. „Am Anfang waren wir nicht sicher, ob das gut wäre“, gesteht Youn. „Aber in der Tat möchte das Publikum uns auch hören. Wir haben durch die Inselkonzerte so viele wunderbare, interessierte Menschen kennengelernt, dass Freundschaften entstanden sind.“
Gerade für Solisten, die unter normalen Umständen in aller Welt gastieren, sind die publikumsnahen Konzerte in der Bibliothek eine besondere Erfahrung: „Dabei entsteht mit unseren treuen Besuchern und Abonnenten ein familiäres Zusammengehörigkeitsgefühl“, meint Mönkemeyer. „Die Regelmäßigkeit, mit der wir unser Publikum treffen und mit ihm Schönes erleben, gibt uns viel Kraft.“ Als Pianist tritt William Youn heuer gleich dreimal an: Mit dem Cellisten Julian Steckel, mit dem er bereits mehrfach konzertierte, und erstmals mit der Geigerin Arabella Steinbacher. Außerdem mit dem jungen, erfolgreichen Aris Quartett, dessen „ernsthafte und leidenschaftliche Musikalität“ den Pianisten sehr beeindruckt hat.
Das Motto „Dialoge“ als innere Zwiesprache wie als (stummen) Austausch mit den Zuhörern setzen die Geigerin Tinwa Yang mit Bach-Partiten und Solosonaten von Ysaye und Cellist Alban Gerhardt mit Cello-Suiten von Bach um. Unter dem Titel „RollOverBeethoven“ finden Eckart Runge (Cello) und Jacques Ammon (Klavier) dann zueinander.
Informationen:
inselkonzerte-chiemsee.de