Kontrabass beim Elefantentanz

von Redaktion

Kinderkonzert online – Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“ am Gärtnerplatz

VON TOBIAS HELL

Natürlich ist es bitter für Theater, wenn lang geprobte Premieren immer wieder verschoben oder nur als Stream vor leerem Haus realisiert werden können. Nicht vergessen werden sollten darüber aber auch die zahlreichen Kinder- und Jugendprojekte, die mit Pandemiebeginn ebenfalls in die Zwangspause geschickt wurden. Und so widmete sich das Gärtnerplatztheater bei seinem jüngsten Stream zur Abwechslung ganz dem Publikum von morgen. Mit Camille Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“.

Es verwundert bis heute, dass der Komponist diesen satirischen Reigen nicht zur Veröffentlichung freigeben wollte. Die musikalischen Miniaturen bieten doch einen wunderbaren Nährboden für kreative Köpfe, sei es bei der szenischen Umsetzung oder beim Verfassen der verbindenden Zwischentexte. Am Gärtnerplatz hatte man sich hier für die Variante aus der Feder von Loriot entschieden. Vorgetragen von Schauspieler Erwin Windegger, dessen Auftritt mit aufgestülpten Eselskopf wohl nicht ganz zufällig an den überambitionierten Handwerker Zettel aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ erinnert. Zum Glück versucht Windegger aber erst gar nicht, die trockene Nonchalance Loriots nachzuahmen. Umringt von zahlreichen Plüschfreunden und bunten Ballontieren präsentiert er sich vielmehr als Mann der tausend Stimmen, der für jede auftretende Spezies einen eigenen Akzent oder Tonfall findet. So etwa für den Fuchs, eine leicht asthmatische Waldameise oder den „auffällig nackten Mehlwurm“, den die Bildregie (wohl aus Jugendschutzgründen) unterschlägt.

Ähnlich humorvoll sind die Musikerinnen und Musiker des Gärtnerplatz-Orchesters am Werk, die hier in kleiner Kammerbesetzung, aber dennoch mit größtmöglichem Einsatz aufspielen. Vom leicht federnden Kontrabass beim Elefantenballett, bis hin zu den munter dazwischen zwitschernden Vogelstimmen. Wobei man neben der nötigen Selbstironie das stilistische Gespür für die von Saint-Saëns parodierten Vorbilder mitbringt. Stets umsichtig koordiniert vom musikalischen Leiter Oleg Ptaschnikov, der gemeinsam mit Anke Schwabe zusätzlich in die Rolle von zwei virtuosen Eichhörnchen schlüpft, die sich am Klavier ein wildes Tastenduell liefern. Ein ebenso kurzweiliger wie wichtiger Beitrag im Stream-Angebot, der sich Applaus verdient hat. Und dies nicht nur „aus den Reihen älterer Leguane, Nashörner und Schildkröten“.

Aufzeichnung

bis heute Abend auf der Homepage und über den Youtube-Kanal des Gärtnerplatztheaters abrufbar.

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