Für seine Beschreibung der Denkweisen des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) ist der Journalist und Autor Jürgen Kaube mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet worden. Der 58-Jährige, als Mit-Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zuständig für das Feuilleton, erhielt für „Hegels Welt“ die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
„Mit dem Genre der Heldenerzählung räumt Jürgen Kaube in seiner Biografie gründlich auf“, heißt es in der Begründung der Jury. Der Autor schildere den Philosophen so elegant wie ironisch „als Mann, der die Widersprüche der Umbruchzeit um 1800 wahrnimmt, durchdenkt, und doch auch immer wieder ihr revolutionäres Potenzial verkennt, etwa wenn es um die Freiheitsansprüche der Frauen geht“. Geistesgeschichte sei bei Kaube Kulturgeschichte, „und die Stärke Hegels war es, sich allen Wissensgebieten mit ganzer Person auszuliefern und dabei an den eigenen Erkenntnissen zu zweifeln“.
Die Konzentration auf das Wissen – das reizte Kaube beim Schreiben. Dieser Fokus habe bei Hegel selbst für den Begriff der Freiheit gegolten. „Freiheit ist für ihn etwas, was kognitive Voraussetzungen hat“, sagte der Preisträger. „Freiheit ist nicht Frechheit.“ Es sei für Hegel nicht die spontane Handlung, sondern vielmehr das kenntnisreiche Handeln gewesen. Der Autor verwies auch auf die sogenannten Querdenker: „Nur quer ist eben nicht Freiheit.“
Mit dem Deutschen Sachbuchpreis will der Börsenverein herausragende, in deutscher Sprache verfasste Publikationen würdigen, die Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung geben. Der Preis ist mit insgesamt 42 500 Euro dotiert, die sieben anderen Autorinnen und Autoren im Finale erhalten jeweils 2500 Euro. Unter den acht Nominierten waren etwa die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim („Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“) sowie Heike Behrend, die für „Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung“ gerade erst den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch bekommen hat.