„Nach dem ersten Akt sagte mir der Kurfürst überlaut Bravo“, schrieb Mozart im Dezember 1780 als Probenbericht an den Vater. „Und als ich hinging, ihm die Hand zu küssen, sagte er: Diese Opera wird charmant werden, er wird gewiss Ehre davon haben.“ Der Auftraggeber, Kurfürst Karl Theodor, war also zufrieden – und der Komponist ohnehin. Bestmögliche Voraussetzungen boten sich damals am Münchner Hof für den „Idomeneo“. Karl Theodor hatte von seiner Mannheimer Residenz das damals beste Orchester mit an die Isar gebracht. Und Mozart reizte dessen Möglichkeiten aus: Eine derart kühne Partitur hat er mit diesem Antikendrama um einen Vater, der wegen eines Gelübdes beinahe den Sohn opfert, nie wieder geschrieben.
„Idomeneo“, zur Faschingssaison 1781 im Cuvilliéstheater uraufgeführt, ist eines jener Werke, die von München aus ihren Siegeszug um die Welt antraten. Insofern ist eine Neuinszenierung quasi logisch. Immer wieder beschäftigte sich die Bayerische Staatsoper mit „ihrem“ Stück, zuletzt 2009, als es Regisseur Dieter Dorn und Dirigent Kent Nagano zur Wiedereröffnung des renovierten Cuvilliéstheaters herausbrachten.
Die zweite Festspiel-Produktion will das so vielschichtige, an die musikalischen Tragödien Rameaus anknüpfende Opus nun einer Neubefragung unterziehen. Constantinos Carydis, für seine aufregenden, eigenwilligen Dirigate (zuletzt beim Münchner „Figaro“) bekannt, dürfte dafür ein Garant sein. Regie führt Antú Romero Nunes, der für die Staatsoper schon Rossinis „Guillaume Tell“ und Verdis „Les Vêspres siciliennes“ inszenierte. Stücke der französischen Grand Opéra also, die mit ihrer Verschränkung von Musiktheater und Ballett letztlich eine ins Monumentale übersteigerte Fortsetzung der Werke Rameaus und damit auch des „Idomeneo“ sind.
Wie viel Kraft Mozart dieses Drama gekostet hat, für dessen Teile er immer wieder neue Fassungen entwarf und auch geniale Stücke wie die Finalarie der Elettra zugunsten einer dramatischen Verknappung kurzerhand strich, lässt sich nur ansatzweise erahnen. Zehn Tage vor der Uraufführung schrieb er wieder an den Vater: „Man ist doch froh, wenn man von einer so großen, mühsamen Arbeit endlich befreiet – und mit Ehr und Ruhm befreit ist.“
Premiere
am 19. Juli im Prinzregententheater.