Sie hat schon in Grünwald gewohnt, später in Schwabing, mittlerweile lebt Schauspielerin Maren Kroymann (71) in Berlin. Zu München habe sie immer noch einen besonderen Bezug, wie sie erzählt. „Ich habe hier viele Freunde und Freundinnen.“ Am kommenden Montag tritt Kroymann mit ihrer Band und dem Programm „In my Sixties“ beim Eulenspiegel Flying Circus im Innenhof des Deutschen Museums auf. Drei Tage vorher feiert sie mit ihrem Film „Mutter kündigt“ auf dem Münchner Filmfest Premiere. Darin verkörpert sie wieder mal eine starke Frau.
In „In my Sixties“ sprechen Sie über das Frauenbild und die Situation der Sechzigerjahre.
Es geht um die Emanzipation der Frau, weil oft gesagt wird, die Swinging Sixties mit Minirock und so waren total aufgeklärt. Aber das waren sie nicht. Sie waren verklemmt. Frauen durften ohne die Erlaubnis des Mannes nicht arbeiten, alleinerziehende Mütter hatten keine Rechte. Das war schrecklich. Deshalb musste irgendwann so ne Aufstandsbewegung gegen diese muffige Spießer- und Wohlstandsgesellschaft kommen.
Waren Sie eine 68erin?
Ich bin eine absolute Spätentwicklerin. Ich war zwar Beatles-Fan, kannte die ganze englische Hitparade, aber von Hippies, Marxismus und freier Liebe hatte ich keinen Schimmer. Bei mir hat es geklickt, als ich 1970 ein Jahr lang in Paris war. Da habe ich begonnen, Karl Marx zu lesen, und meine erste große Demo am 1. Mai 1971 miterlebt. Das war ein Riesenvolksfest. Bunt, lebendig und total fröhlich. Da habe ich angefangen, mich für Politik zu interessieren.
Wie wurden Sie schließlich zur Feministin?
Paris hat mir gezeigt, dass ich mich engagieren kann. Auch bei der Frauenfrage. Dass es da viel zu tun gibt, war mir klar, als ich nach meinem Abitur 1967 vier Semester in Tübingen studiert und nebenher Theater gespielt habe. Ich verkörperte immer die Blondine, die etwas dümmlich war, aber lustig. Oft hatte ich falsche Wimpern und war leicht bekleidet. Da merkte ich, dass mir das Bild einer sexy Blondine zugeordnet wurde. In Wirklichkeit war ich aber eine verhuschte Studentin mit Brille, die tagsüber in ihren Altfranzösisch- und Literatur-Soziologie-Seminaren saß. Diese Diskrepanz in der Wahrnehmung war eigentlich die Basis. Dass man gut ankam, wenn man ein freizügiges Dekolleté und einen kurzen Rock anhatte, die Intelligenz aber keinen interessiert, war der Einstieg in dieses Gefühl, es geht ungerecht zu, wir Frauen müssen anders wahrgenommen werden.
Haben Sie mal überlegt, in die Politik zu gehen?
Mir wurde vor ein paar Jahren vorgeschlagen, für die Grünen in Berlin zu kandidieren. Ich fühlte mich geehrt, wusste jedoch, ich bin in meinem Beruf richtig. Natürlich äußere ich mich politisch, aber das kann ich als Künstlerin und Schauspielerin auch. Ich kann das unterstützen oder kritisieren, was Parteien machen, und ich habe eine unabhängige Ausgangsposition. Ich würde nicht nur eine Partei unterstützen, sondern schauen: Was tut welche Partei für Frauen und für Homosexuelle?
Sie setzen sich sehr für einen offeneren Umgang mit Homosexualität ein.
Ich habe mich vor 30 Jahren als lesbisch geoutet, als ich mich mit Ende 30 in eine Frau verliebt hatte. Davor lebte ich heterosexuell, deshalb gab es viel Feindseligkeit, als ich als Schauspielerin mit meiner Sexualität an die Öffentlichkeit ging. Man hat sich über mich lustig gemacht, man hat es nicht verstanden. Im Laufe der Jahre haben die Leute kapiert, dass wir sagen müssen, dass es uns gibt, um in der Gesellschaft gesehen zu werden.
Sie sind 71. Wie halten Sie sich fit?
Ich habe nie geheiratet. Vor allem aber bewege ich mich viel. Seit 1980 jogge ich regelmäßig. Vor ein paar Jahren habe ich wegen meines Knies aufs Schwimmen umgestellt und mir das Kraulen beigebracht. Das tägliche Bewegen ist mir wahnsinnig wichtig. In dieser Zeit kann ich nachdenken und komme gefestigt zurück. Ich ernähre mich gesund, trinke seit vielen Jahren keinen Alkohol und habe mich früh entschieden, dass ich mich nicht liften lassen möchte. Ich finde mich okay. Klar habe ich Falten um die Lippen, aber ich werde in zwei Wochen 72.
Denken Sie manchmal ans Aufhören?
Ich genieße meinen Erfolg und interessante Angebote. Da bin ich ja nicht so blöd und höre auf. Mein Ziel ist eigentlich weiterzumachen, bis ich tot umfalle. Was hoffentlich sehr spät sein wird. Ich habe immer gesagt, ich möchte 96 werden, ich glaube, ich erhöhe mal auf 100. Ich merke schon, dass ich mich die letzten Jahre überfordert habe, weil ich so viele Sachen mache. Aber in diesem Jahr nehme ich mir zum ersten Mal eine dreimonatige Auszeit. Da freue ich mich drauf!
Das Gespräch führte Teresa Winter.