Bayerns Belcanto-Hochburg

von Redaktion

FESTSPIELE IMMLING Goachino Rossinis „La Cenerentola“

VON TOBIAS HELL

Vor 25 Jahren hätten wahrscheinlich nur die wenigsten auf einen derart nachhaltigen Erfolg gewettet. Doch im Laufe des Vierteljahrhunderts, in dem Ludwig Baumann und Cornelia von Kerssenbrock auf Gut Immling nun bereits ihre Opernfestspiele zelebrieren, hat sich die dortige Reithalle zu einer echten Bayerischen Belcanto-Hochburg entwickelt. Und diesen Rang untermauert zum Jubiläum nun eine exzellent besetzte „La Cenerentola“, bei der in Sachen Stimmakrobatik kaum Wünsche offenbleiben.

Ein ebenso bunt bebilderter wie kurzweiliger Opernspaß, der von Regisseur Detlef Soelter in die Stummfilm-Ära verlegt wird. Zahlreiche Slapstick-Momente inklusive. Schon zur durchinszenierten Ouvertüre flimmern Szenen aus Rudolph Valentinos „Son of the Sheik“ auf der Bühne. Mit Prinz Ramiro als Regisseur. Der Transfer in die 1920er-Jahre ist dabei vor allem für Kostümbildnerin Sabine Lutter eine dankbare Aufgabe. Gerade bei Chor und Statisterie, die sich – als Chaplin, Laurel & Hardy oder Marlene Dietrich gewandet – ebenfalls ins Geschehen mischen und für Leben auf der Bühne sorgen.

Die weniger glamouröse Seite der Traumfabrik lernt man dagegen in Form eines Friseursalons kennen, in dem Aschenputtel Angelina ihren Stiefschwestern hinterherfegt und leise von ihrem eigenen Hollywood-Happy-End träumt. Tamara Gura tut dies mit geschmeidigem Mezzo, der nicht nur in der Tiefe ein solides Fundament vorweist, sondern auch die halsbrecherischen Koloraturkaskaden Rossinis stilsicher meistert. Anrührend das Duett mit Ramiro im ersten Akt oder die zart gehauchte Reprise des melancholischen „Una volta c’era un re“, während ihr virtuos ausgestaltetes Final-Rondo vor Lebensfreude geradezu überschäumt.

Guras dunkel timbrierte Stimme sorgt für eine aparte Mischung mit dem hellen Tenor von Lianghua Gong, der Höhenflüge mit unbekümmerter Leichtigkeit absolviert. Royales Format bringt aber ebenfalls Modestas Sedlevičius mit, der als Kammerdiener Dandini beim Rollentausch mit dem Prinzen Erinnerungen an seinen denkwürdigen Immlinger Don Giovanni weckt, hier aber auch sein komödiantisches Talent endlich voll ausleben darf.

Stimmig abgerundet wird die Besetzung in den tiefen Lagen von Dominic Barberis balsamisch weich intonierendem Schutzengel Alidoro sowie von Benjamin Bloomfield, der den schmierigen Stiefvater Don Magnifico mit ausladendem Bass gibt.

Zum Gelingen des Abends trägt aber vor allem bei, dass Szene und Orchestergraben stets an einem Strang ziehen. Evan-Alexis Christ führt das Festspielorchester an straffen Zügeln und macht ordentlich Tempo. Wobei er die Sänger zwar bei ihren Arien nach Kräften unterstützt, in den rasanten Ensembles aber auch ordentlich fordert und keine Kompromisse eingeht. Eine runde Ensemble-Leistung, die ihren heimlichen Höhepunkt im Sextett „Questo è un nodo avviluppato“ findet, bei dem selbst die sonst eher zum Zicken-Klischee verurteilten Stiefschwestern (Jennifer Zein und Lena Spohn) endlich glänzen dürfen.

Weitere Vorstellungen

am 17., 25. und 30. Juli sowie 7., 14., 19. und 21. August, www.immling.de.

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