Wegen Corona mussten die Eberhofer-Fans dieses Mal ungewöhnlich lange warten. Nun ist es soweit: Am 5. August startet der neue Film „Kaiserschmarrndrama“ in den Kinos. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Schauspieler Sebastian Bezzel über das Eberhofer-Erfolgsrezept, seine Verbundenheit mit dem Dorfsheriff und sein Leben als Bayer in Hamburg.
Bei den Eberhofer-Krimis geht’s immer auch ums Essen. Sind Sie eher der süße oder der herzhafte Typ?
Herzhaft. Süß ist nicht so meins. Ich bin kein großer Dessert-Esser. Ich freu mich immer, wenn wir zum Eberhofer-Dreh nach Dingolfing kommen. Dann geh ich erst mal so richtig deftig bayerisch essen.
Was bestellen Sie sich dann am liebsten?
Abhängig von der Karte, aber meistens Schweinsbraten oder so was in der Richtung.
Zurück zum Film. Zum bereits siebten Mal verkörpern Sie nun den Franz Eberhofer. Wird es nicht langweilig, immer wieder in die Rolle des niederbayerischen Dorfsheriffs zu schlüpfen?
Nein, ich finde eine Film-Reihe toll. Bei einer Serie kann es wirklich mal zu viel werden, wenn man fünf Monate am Stück das Gleiche dreht. Aber so ist es super: Wir sind immer ein paar Monate auseinander, dann trifft man sich wieder zu neuen Aufgaben. Gerade wenn ich mit Lisa (Lisa Maria Potthoff, Susi-Darstellerin, Anm. d. Red.) oder Simon (Simon Schwarz, Rudi-Darsteller) spiele, ist das wunderbar. Mit den beiden bin ich auch privat befreundet.
Sie werden inzwischen ja sogar schon der bayerische Bond genannt.
Ja, aber davon halte ich gar nichts. Das war ein lustiger Marketingspruch, als es bei einer ersten erhofften Kinoeröffnung im Herbst vergangenen Jahres darum ging, den Kinostarttermin des verschobenen Bonds zu übernehmen und der sich verselbstständigt hat. Aber ich will mich nicht mit dem Bond vergleichen, ich bin der Eberhofer. Und der Bond ist der Bond.
Und wie viel Franz Eberhofer steckt in Sebastian Bezzel?
Als Schauspieler bist du letztendlich derjenige, der verkörpert. Deswegen steckt natürlich auch etwas von dir selbst drin. Und natürlich muss ich die Wesensart meiner Figur lieben, sie und ihr Handeln verstehen. Das fällt mir beim Eberhofer aber nicht schwer.
Was ist zwischen Ihnen und dem Eberhofer die größte Gemeinsamkeit – und was der größte Unterschied?
Wie der Eberhofer kann ich zum Grant neigen. Und der größte Unterschied… (Überlegt kurz.) Ich habe schon deutlich mehr Interessen im Leben. Außerdem bin ich neugieriger und vielleicht ein wenig menschenfreundlicher.
Wenn wir bei Interessen im Leben sind: Im Film geht es um die ernsten Dinge: Eigenheim, Familie … Sie haben das alles. Allerdings in Hamburg.
Genau, seit 2002 bin ich weg aus Bayern. Vor Hamburg habe ich einige Jahre in Berlin gelebt. Eigentlich wollte ich wieder zurück, dann habe ich meine Frau kennengelernt – und plötzlich wurde halt Hamburg draus. (Grinst.)
Als Bayer in Hamburg – war das am Anfang ein Kulturschock?
Nein, null. Hamburg ist eine tolle Stadt. Außerdem war mir Hamburg nicht fremd. Ich war davor schon oft dort. Der Kulturschock war vielleicht eher nach der Schule, von Garmisch-Partenkirchen nach München zu kommen. Vom Land in die Stadt. Wobei das auch kein großer war. Meine Eltern sind beide Münchner, deshalb kannte ich die Stadt bereits recht gut.
Die Eberhofer-Dreharbeiten haben gut fünf Wochen gedauert. Wenn Sie danach wieder in den Norden gehen, fällt Ihnen da der Abschied schwer?
Ganz im Gegenteil. In Bayern werde ich viel mehr angesprochen als in Hamburg. Da ist es dann ganz angenehm, wieder dort zu sein und ein bisschen runterzukommen. In 28 bis 30 Drehtagen einen Film zu drehen, das ist eine wahnsinnig anstrengende Geschichte.
Wie schalten Sie nach den Dreharbeiten ab? Daheim vor dem Fernseher?
Nach den Dreharbeiten schau ich manchmal einfach eine Zeit lang gar nichts an. Weil’s mich nervt.
Warum?
Wenn ich zu viel drehe, bin ich irgendwann ein schlechter Zuschauer. Wenn ich weiß, wie Filme gemacht werden, kann ich nicht abschalten. Da denk ich mir zum Beispiel: „Ach, schau‘ her, da steht jetzt gerade der Aufnahmeleiter hinter der Tür.“ Außerdem ist es nach einem Dreh einfach mal schön, früh ins Bett zu gehen und ein bisschen zu lesen.
Sprechen Ihre Kinder eigentlich Bairisch?
Nö, nicht wirklich. Zwei, drei Ausdrücke können sie vielleicht, aber das kannst du vergessen. Wenn die in Hamburg zur Schule gehen, da kann ich zuhause noch so rumbaiern. Aber die Sprachhoheit kommt über das soziale Umfeld, und das ist in Hamburg eben hochdeutsch und norddeutsch.
Frage zum Schluss: Der erste Eberhofer-Film war ein Überraschungserfolg. Inzwischen hat man das Gefühl, die Filme werden immer beliebter. Was ist das Erfolgsrezept?
Ich denke, das sind die vielen liebevoll gemachten Figuren. Natürlich mit dieser einen Hauptfigur, dem Franz, der als grantiger Ruhepol in der Mitte steht. Irgendwann entwickelt sich so eine Filmreihe zum Selbstläufer. Dann sagen die Leute: „Jetzt wart ich aber drauf, dass der nächste Film kommt und der lustige Audi vom Franz wieder um die Ecke fährt.“ Es gibt ja wirklich Fans von dem Auto.
Ach was?
Ungelogen. Die Polizeisachen bekommen wir von einem Ausstatter. Wenn der mit dem Audi durch München fährt oder ihn uns nach Niederbayern bringt, wird er an der Ampel angehupt. Leute fotografieren das Auto und kreischen: „Das ist der Eberhofer!“ Ich glaube, das ist die einzige Filmreihe, in der ein Auto und ein Kreisverkehr zu Prominenz kommen.
Das Gespräch führte Franziska Konrad.