Hoffnungsfiguren

von Redaktion

Alice Botas Buch „Die Frauen von Belarus“

VON STELLA VENOHR

Es klingt wie ein modernes Märchen: die schüchterne Hausfrau neben dem starken Ehemann, der in die Politik gehen will. Doch als er verhaftet wird, tritt sie aus ihrer Rolle und wird zur demokratischen Hoffnungsfigur für  ein unterdrücktes Volk. So  ähnlich  könnte eine kurze Zusammenfassung der Geschichte von Swetlana Tichanowskaja lauten, der Frau, die als Gesicht der Proteste in Belarus und als Gegenspielerin von Machthaber Lukaschenko vor rund einem Jahr plötzlich berühmt wurde. Journalistin Alice Bota widmet sich in „Die Frauen von Belarus. Von Revolution, Mut und dem Drang nach Freiheit“ eben dieser Frau und den Protesten.

„Es war wie eine Revolution in mir“, wird Tichanowskaja zitiert. Bota hat Interviews mit ihr geführt und sagt über die 38-Jährige: „Es ist eine Person, die sehr hart an sich arbeitet und die von einer unglaublichen Ernsthaftigkeit getragen ist. Das habe ich so selten erlebt.“ Tichanowskaja war bei der als gefälscht geltenden Präsidentenwahl am 9. August anstelle ihres inhaftierten Ehemanns Sergej Tichanowski angetreten. Ihre Anhänger sehen sie als wahre Siegerin. Besonders die Bilder der protestierenden Frauen gingen um die Welt: In weißen Kleidern, mit Blumen und Schleifen standen sie den schwarz gekleideten Polizisten gegenüber. Sanftheit und Einigkeit gegen Härte und Gewalt, das sollten die Bilder ausdrücken. So auch bei Tichanowskajas Mitstreiterinnen Veronika Zepkalo und Maria Kolesnikowa. Sie sind keine Konkurrentinnen, sondern verhalten sich solidarisch. Das Buch von Bota ist mehr als eine Beschreibung der drei Frauen. Es verdeutlicht die starke Symbolkraft dieser weiblichen Proteste. Dabei bestand ein Großteil der Wählerschaft Lukaschenkos lange aus Frauen.

Alice Bota:

„Die Frauen von Belarus. Von Revolution, Mut und dem Drang nach Freiheit“. Berlin Verlag, 240 Seiten; 18 Euro.

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