Ein Ohrwurm ohne Ende ist das. Und wäre nicht irgendwann Salzburger Kultursperrstunde, könnte man mit „Fôrets paisibles“ ewig so weitermachen. Zumal nur für diese letzte der drei Zugaben auch noch der Chor von MusicAeterna geholt wird und sich alle inklusive beklunkerter Gala-Gemeinde im gepflegten Ba-Rock des Hits aus Rameaus Oper „Les Indes galantes“ wiegen. Am besten, dies ist die Erkenntnis aus dem Festspiel-Abend in der Felsenreitschule, man gibt Teodor Currentzis nur noch Rameau und hält ihn von Mozart fern.
Nach seinem verunglückten „Don Giovanni“ (wir berichteten) ist dies die Ehrenrettung, und zwar eine mit Ansage. Das Programm „The Sound of Light“ mit Currentzis und seinem Orchester MusicAeterna gibt’s seit 2014 auf CD und wird mit diversen Konzerten beworben. Ein heißer Ritt durch das Opernschaffen Rameaus, eine Schnipselparade, die als Appetitmacher auf den aufregenden, teils wahnwitzigen, auch irritierend modernen Komponisten gedacht ist.
Eine Musik ist das, die Überwürze verträgt. Man kann sich ihr von außen nähern, muss sie also nicht behutsam von innen heraus erfühlen. Und man darf sie sich mit Effektvollem zurechtbiegen – das Gegenteil von Mozart also, deshalb funktioniert der Abend ja auch. Dass der im Stockdunkeln beginnt, auch später auf diverse Lichteffekte baut, riecht zwar nach Show, ist aber legitim.
Wobei es auch bei Rameau Grenzen gibt. Ab einer gewissen Umdrehungszahl, und die liegt bei Currentzis bekanntlich hoch, können Feinheiten, agogische Details und klare Streicher-Profilierungen kaum mehr untergebracht werden. Dass der Guru Trio- und Quartett-Nummern bringt und mit Sara Blanch eine Sopranistin, deren (zu) kleine, feine Lyrik nur im Kammermusiksaal funktioniert, ist wohl als Extremkontrast gedacht – in der Felsenreitschule verpufft das.
Amüsant ist, dass Currentzis nicht dirigiert, sondern alles als auch stampfender Bandleader demonstrativ durchlebt. Was in Ordnung geht, ein gutes Ensemble wie MusicAeterna braucht bei dieser Musik, sobald das Metrum einmal eingerastet ist, gar keinen Dirigenten – außerdem gibt es mit Afanasii Chupin einen Konzertmeister als treuen, truppenbefeuernden Diener seines Herrn.
Paradox nur: Man fühlt sich gut unterhalten, doch bleiben Virtuosität und Extremismus von Currentzis seltsam kalt. Nach dem Konzert eilt Cecilia Bartoli durchs Foyer. Und man malt sich plötzlich aus, wie ein solches Programm mit der Salzburger Pfingstchefin und ihrem Orchester verlaufen wäre.