Wenn Zubin Mehta in Mün-chen ans Pult tritt, ist die Freude groß. Beim Publi-kum, bei den Musikern und auch beim Maestro selbst. In der Isarphilharmonie dirigierte er am Donnerstag die Münchner Philharmoniker. Nicht nur Strauss’ selten zu hörende „Sinfonia domestica“ stand auf dem Programm, sondern auch die 1970 entstandenen „Ancient Voices of Children“ (Uralte Kinderstimmen) des 1929 geborenen Amerikaners George Crumb. Ein hierzulande so gut wie unbekannter Komponist, dessen Klangsprache weder irritiert noch sich anbiedert, sondern in ihrem Einfallsreichtum überrascht und für sich einnimmt.
Und das, obwohl singende Säge und Mandoline nicht erschienen. Wie zu erfahren war, mussten beide Damen spontan absagen. Wo und wie sie fehlten, lässt sich schwer ermessen, da die Zuhörer das Original wohl noch nie gehört haben.
Die von Mojca Erdmann mit höhensicherem, ausdrucksintensivem Sopran interpretierten, vom Tölzer Knaben(-sopran) wie von Oboe, Harfe, Klavier, Kinderklavier und allerlei (exoti-schem) Schlagwerk eigensinnig mitgestalteten Lieder entwickelten einen starken Sog. Den ebenso poetischen wie rätselhaften Gedichten Federico García Lorcas verleiht Crumbs Vertonung mit präpariertem Klavier, Laute ausstoßenden Schlagzeugern und der mit Geräuschen, Vokalisen und Ariosem aufwartenden Stimme eine zusätzliche Magie.
Mehta wirkte als ruhiger Impulsgeber im suggestiven, zuweilen zerbrechlich scheinenden Geschehen, in dem die Oboe (Marie-Luise Modersohn) nicht hätte fehlen dürfen. Groß war der Kontrast zum riesig besetzten Strauss-Opus, in dem der Komponist seinen Drei-Personen-Haushalt mit Gefühl und Humor in Szene setzte. Die Philharmoniker schienen an allen Pulten in ihrem Wohlklang-Element und Mehta lenkte sie souverän durch die komplexe Partitur. Begeisterung! lus