Das hätten sich Sarah Brightman und José Carreras wohl auch nicht träumen lassen, dass man sie einmal in der Programmvorschau der Münchener Biennale für neues Musiktheater zitieren würde. Doch tatsächlich wird ihre Olympia-Hymne „Amigos para siempre“ in der anglisierten Form „Good Friends“ als Motto über dem Festival 2022 stehen. Die künstlerischen Leiter, Manos Tsangaris und Daniel Ott, wollen damit jedoch keine verklärende rosarote Brille aufsetzen. Vielmehr sollen die sieben angekündigten Uraufführungen dieses wohl nicht immer ganz ernst gemeinte Lippenbekenntnis kritisch hinterfragen.
Und so verhandeln die vertretenen Komponistinnen und Komponisten neben Wünschen für mehr Dialog zwischen den Menschen ebenso Themen wie Alltagsrassismus, Vertreibung sowie soziale und politische Differenzen. Hierfür hat das Leitungsduo meist nationenübergreifende Paare gebildet, die aus unterschiedlichen kulturellen Prägungen heraus nach gemeinsamen Erzählmitteln suchen. So etwa die irische Komponistin Ann Cleare, die einen neuen Text der Schottin A. L. Kennedy in Musik setzt. Oder der aus Hongkong stammende Pat To Yan, derzeit Hausautor am Nationaltheater Mannheim, der für die Schwedin Malin Bång sein erstes Opernlibretto verfasst.
Titellos ist derzeit noch ein Werk von Polina Korobkova, das mit der Münchner Musikhochschule realisiert wird. Und auch über den interaktiven „Good Friends Club“, den Nicolas Berge und Lucia Kilger online starten und dann im Schwere Reiter auf die Bühne bringen, waren beim Pressetermin eher Andeutungen zu erfahren.
Es ist also ratsam, die Festival-Website im Auge zu behalten und sich den „Grundoptimismus“ zu bewahren, mit dem auch Bürgermeisterin Katrin Habenschaden auf eine reibungslose Durchführung der Biennale im Mai 2022 hofft. Denn selbst wenn man im jüngsten Anlauf alternative digitale Formate gefunden hatte, die Zukunft des Musiktheaters muss weiterhin analog vor und mit dem Publikum stattfinden. Dies machte Tsangaris in seinem Schlusswort überdeutlich.
Weitere Informationen
unter www.muenchener-biennale.de.