Flammroter Vokuhila, kreidebleich geschminktes Gesicht und knallbunte Kimonos von Japans Mode-Ikone Kansai Yamamoto – das muss er sein, der Retter der Welt. Hier kommt Ziggy Stardust, die Mischung aus Rockstar, Gott und Außerirdischem, die die Menschheit vor der bevorstehenden Apokalypse bewahrt. In dieser Rolle, die mehr und mehr von ihm Besitz ergriff, wurde David Bowie 1972/73 zum „einflussreichsten Popmusiker aller Zeiten“, so der „New Musical Express“ aus England. Reinhard Kleist, einer der weltweit renommiertesten deutschen Comic-Autoren, setzt dem Rock-’n’-Roll-Messias mit seinem neuen Band „Starman – David Bowie’s Ziggy Stardust Years“ ein spektakuläres Denkmal.
Das Buch kommt genau richtig zum 50-jährigen Jubiläum des epochalen Albums „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ – und zum 75. Geburtstag von David Bowie am 8. Januar 2022, an dem das 2016 verstorbene Pop-Universalgenie sicherlich schmerzlicher denn je vermisst wird. Nach Johnny Cash, Fidel Castro oder Nick Cave widmet sich Kleist hier seiner bisher schillerndsten Figur. „Der Ratschlag, Bowie zu zeichnen, kam von Nick Cave, weil der ja so schön visuell sei“, verrät der Autor.
Und so badet der Comic geradezu in Bowie-Bildern, schwelgt in prachtvollen Kostümen, in flamboyanten Bühnenshows, in schrillen Makeups und im androgynen Look des Glamrock. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit holte sich Kleist für das Farbgewitter Unterstützung vom Koloristen und Grafiker Thomas Gilke: „Ich brauchte einen Künstler, der sich nicht scheut, mit den Farben extrem zu werden. Da war Thomas genau der Richtige. Die Farben atmen die Siebzigerjahre und den Geist Ziggys.“
Einen spektakulären Kontrast zu Bowies Villa Kunterbunt der Stardust-Ära bilden die beinahe monochromen Rückblicke auf seine frühen Jahre, auf seine Kindheit, in der der kleine David Jones bereits davon träumte, irgendwann zu den Sternen mitgenommen zu werden. Hier blickt der Leser dem späteren Superstar in die Seele, der lange Jahre tatsächlich befürchtet hatte, verrückt zu werden – weil Schizophrenie zur Geschichte seiner Familie gehört.
Am Ende hat Bowie genug vom Sternenstaub und mag nicht mehr Ziggy Stardust sein. Im Buch fackelt er seine Garderobe ab, schickt sein Alter Ego zurück zum Mars und begräbt damit den Glamrock. Autor Reinhard Kleist hat noch lange nicht genug von David Bowie. Er arbeitet bereits an Band zwei, „Low – David Bowie’s Berlin Years“, über die nächsten Heldentaten, über die nächste Häutung des englischen Pop-Chamäleons.
Reinhard Kleist:
„Starman – David Bowie’s Ziggy Stardust Years“. Carlsen Verlag, 176 Seiten, 25 Euro.