„ich bitte euch, lasst mich leben / verachtet die kleinkinder unseres berufes, / die amateure, die mitmacher, die frömmler / liebt den bohème, ich bin ein bohème, liebt mich / habt achtung vor dem künstler …“ Was da Markus Lüpertz (Jahrgang 1941) 1973 in seinem Gedicht „Gedicht“ formuliert, hätte auch Gabriele Münter (1877-1962) sagen können. Hat sie aber nicht, diese bescheidene, zugleich absolut konsequente Künstlerin. Selbstvermarktung war ihre Sache nicht, obwohl sie als Malerin, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts obendrein in die Moderne aufbrach, extrem zu kämpfen hatte.
Das Schlossmuseum Murnau verknüpft nun beide locker mit zwei Kabinettausstellungen. Münter ist ja ohnehin die „Hausheilige“; und Lüpertz ist in Dauerleihgaben aus einer Privatsammlung präsent. Das Museum zeigt also mit diesen beiden Sonderschauen auch, was es so draufhat. Man kann aus eigenen Beständen immer noch Überraschungen bieten.
„Schneefarben. Winterbilder von Gabriele Münter“ ist passgenau zur Jahreszeit geschneidert. Zu den zwölf Bildern, die den Winter im „Blauen Land“ wundervoll einfangen, gesellen sich Fotos von Wintergaudi für jeden, Ski, Schlitten (auch einen Boandlrodl aus Holz und Knochen) sowie Münters Malzeug samt Staffelei. Selbst wenn man ihre Werke schon öfters gesehen hat und als Postkarten gern verschenkt, ist man doch immer wieder von den einzigartigen winterlichen Licht- und Farbschattierungen hingerissen.
„Ein göttlicher Geselle. Markus Lüpertz zum 80. Geburtstag“ bietet 19 Arbeiten von Gemälde über Gouache bis zur Plastik aus dem Zeitraum von 1964 bis 2004 – und eben Gedichte: also einen kompakten kleinen Überblick über Lüpertz’ Schaffen. Und als Betrachterin hat man immer wieder Vergnügen daran, wie er Pathos inszeniert und es dann wieder ironisch bricht. Und man erkennt, wie stark diese expressive Malerei des späten 20. Jahrhunderts auf dem ersten Expressionismus aufbaut.
Bis 27. März,
Di.-So. 10-17 Uhr; heute und am 1.1. 2022 13-17 Uhr; am 31.12. geschlossen; Telefon: 08841/47 62 01.