Körperwelten

Die Staatsgemäldesammlungen und das Museum Brandhorst stellen ihr Programm für 2022 vor

VON SIMONE DATTENBERGER

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und ihre Pinakotheken samt Museum Brandhorst starten trotz Pandemie doch mit Energie und Begeisterung ins neue Jahr. Die Kunst gibt uns Fans, aber auch ihren „Betreuern“ immer wieder Kraft – selbst wenn viele Politiker ihre Qualität nicht wahrnehmen. Eine Trauer bleibt auch ohne Corona: Die Neue Pinakothek ist wegen der Sanierung auf Jahre hinaus geschlossen. Trost: Sie gibt ein klug kuratiertes Gastspiel „Von Goya bis Manet“ in der Alten Pinakothek, das ab 8. Februar 2022 wieder läuft.

Die Sonderschau im Hause dreht sich ab 6. Mai um „Vive le Pastel! Pastellmalerei von Vivien bis La Tour“ anlässlich einer La-Tour-Erwerbung (wir berichteten). Daneben hebt die Reihe „All Eyes on“ bestimmte Werke oder Künstler hervor: etwa Raffaellino del Garbos „Beweinung Christi“ (um 1500) und Hendrick ter Brugghens „Zecher“ (1627). Eine weitere Erwerbung zieht wohl großes Interesse auf sich, denn sie darf in der Verlängerung bis 18. Juni die Neugierde befriedigen: das Rarissimum „Straßenszene mit Personen im Gespräch“ (nach 1633) von Jacobus Vrel.

Die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne – sie feiert im September 2022 ihr 20-Jähriges – hat ihren Herbst-bis-Frühling-Knaller 2021/22 gerade erst vorgestellt. Die umfangreiche, anregend und schön inszenierte Ausstellung „Shirin Neshat – Living in one Land, dreaming in another“ kann man noch bis 24. April besuchen. Schrift, Bild, Foto, Film sowie Kühle und Pathos verzahnt die Künstlerin auf bewegende Weise (wir berichteten). Im kommenden Herbst gibt es dann die 2022/23-Knaller, die hoffentlich nicht mehr von der x-ten Seuchenwelle gestört werden.

Die weite Welt atmet naturgemäß die große Exposition „Max Beckmann – Departure“ (ab 25. November 2022) In der dritten Pinakothek gibt es bereits einen imposanten Beckmann-Bestand. Der wird noch um rund 100 Leihgaben erweitert,  darunter  sogar das Triptychon „Departure“ (1932-1935). Das erschütternde Werk kommt aus dem New Yorker Museum of Modern Art nach München. Oliver Kase, Sammlungsdirektor und -leiter Klassische Moderne in der PDM, will erstmals den Komplex Reise herausarbeiten, der „für Max Beckmann (1884-1950) in einem biografischen wie symbolischen Sinn von existenzieller Bedeutung war“. Da das Beckmann-Archiv der Staatsgemäldesammlungen seit 2015 auch die Familiennachlässe beherbergt,  kann  die Präsentation darüber hinaus auf Dokumente, Fotos und Filme zurückgreifen.

Der zweite Knaller baut ebenfalls auf die eigenen Bestände auf; es geht freilich um Kunst nach 1945 bis heute. Abteilungschef Bernhart Schwenk tut sich mit den Kuratorinnen und Kuratoren der „Moderne“ zusammen für: „Mix & Matsch – Die Sammlung neu entdecken“ (ab 15. September). Anlass ist der 20. Geburtstag der PDM. Zu sehen sein werden Arbeiten von Etel Adnan über David Claerbout, Katharina Grosse, On Kawara bis Ernst Ludwig Kirchner, Maria Lassnig und Jeff Wall. Natürlich läuft daneben die Reihe „Sammlung+“ weiter. Dabei geht es um Studioausstellungen, die Akzente setzen. Ab 25. Januar sind das unter anderen „Medienkunst im Fokus – Teil III“, „Emil Nolde – Meine Art zu malen …“ (ab 31. März) und „(Gegen-)Entwürfe“ mit fotografischen oder medialen Arbeiten aus dem Nahen und Mittleren Osten (ab Sommer).

Beim Museum Brandhorst muss man sich beeilen, um noch die Körper-Kleider-Skulpturen von Alexandra Bircken bestaunen zu können (bis 16. Januar). „Site Visit“ gibt ab 8. März unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten die Chance, sich in der großen Halle auszuprobieren –  und  das zu erklären. Die Körperlichkeit von Bircken nimmt im Sommer „Skulptur, Technologie, Körper seit den 1950er-Jahren“ auf und erweitert die Fragestellung zeitlich und räumlich. Das Nachdenken über Alien-Strukturen ist schließlich nicht neu.

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Freitag, 10. Juli 2026
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