Die US-amerikanische Dichterin Louise Glück erhielt den Literaturnobelpreis 2020 – wieder eine Künstlerpersönlichkeit, die kaum jemand kannte. Nun ist in New York und München ihr neuer Lyrikband erschienen, ruhig und ungekünstelt von Uta Gosmann übersetzt. Das Luchterhand-Buch bietet den englischen und deutschen Text parallel, was einem als Leser viel Freiheit gibt, sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Glück pflegt die Anmut der Poesie, biegt aber immer scharf auf überraschende Nebenpfade ab. Damit stellt sie große Herausforderungen an ihre Leserschaft; aber genau das macht Spaß. Man kommt ins Sinnieren, Spintisieren, Fantasieren. Mit einem Hauch chinesischen Flairs tupft sie Liebespaare und alte Leute aufs Blatt, Erinnerungen, Märchenmotive – und nutzt sogar die Prosaform. sida