Mit dem grünen Daumen für Musik

von Redaktion

Götz Alsmann über sein neues Format „Der geheime Garten des Jazz“, das heute startet

VON REINHOLD UNGER

In einem weitläufigen Garten findet man meist stattliche Bäume, die jeder kennt, und prachtvolle Rosenbeete, deren Schönheit großen Zulauf garantiert. Aber es gibt auch seltene Gewächse, die abseits der viel begangenen Wege im Verborgenen blühen, die man leicht übersieht und deren Reize sich einem am ehesten erschließen, wenn sie einem ein Kenner der Materie vorstellt.

Ein profunder Kenner des Jazz ist auf jeden Fall Götz Alsmann, der es sich mit seinem heute startenden Podcast „Der geheime Garten des Jazz“ zur Aufgabe gemacht hat, einem breiten Publikum „die seltenen Orchideen und fleißigen Lieschen des Jazz“ nahezubringen. Wir haben mit dem Entertainer, Musiker und Moderator mit dem grünen Daumen für Musik vorab gesprochen.

Da er ja ständig damit beschäftigt sei, Sendungen zu gestalten, komme er in seiner Plattensammlung auch immer mal wieder „in Kisten und Ecken, wo noch nie die Sonne hingeschienen hat“, erzählt Alsmann. „Alle zwei Jahre sollte man ja nicht nur seine Kleidersammlung vertikulieren, sondern auch seine Bücher und Schallplatten und da frische Luft reinbringen“, meint der populäre Raritätensucher. „Schallplattensammlungen muss man ab und zu durchflöhen und mal 50 Stück rausnehmen und durchblättern, weil niemand sich merken kann, was da alles noch im Schrank ist – bei mir geht das ja weit in den fünfstelligen Bereich. Da habe selbst ich nicht mehr den kompletten Überblick – und dann staunt man, was einem so entgegenpurzelt.“

In die Hände gefallen ist Alsmann dabei etwa die LP „Cool Man Cool“ aus dem Jahr 1957, der die erste Podcast-Folge gewidmet ist. Aufgenommen hat sie das Quintett des Trompeters John Plonsky, der, obwohl ein gefragter Studiomusiker und Arrangeur, nur diese eine, heute laut Alsmann zu Unrecht vergessene Session unter eigenem Namen veröffentlichen konnte. Ähnlich erging es Zilla Mays, die in den Fünfziger- und Sechzigerjahren in Atlanta als Diskjockey und Radiomoderatorin weit populärer war denn als Sängerin. So ist auch ihr Album „The Men I love and the Songs they sang“, eine Hommage an die Lieblingssänger ihrer Jugend, die Alsmann in der zweiten Folge des 14-tätigen Podcasts vorstellt, ein Solitär geblieben.

Nichts gegen den Kanon des Jazz, betont Alsmann, „die Aufnahmen, die jeder mal gehört und am besten in einer schweren japanischen Vinylpressung bei sich zu Hause stehen haben sollte“. Sein „geheimer Garten des Jazz“ wolle aber mal ein Forum sein für Tonträger, „die verschollen, verklungen sind, Künstler, die nie über ihren Häuserblock hinaus bekannt geworden sind“. Als Beispiele der ersten Folgen nennt Alsmann dann noch den Akkordeonisten Dominic Frontiere („Ich habe ja eine Schwäche für Jazz-Akkordeonisten“), den Pianisten Page Cavanaugh und sein Album „An Explosion in Pop Music“ („keine Popmusik, sondern allerfeinster Jazz“) und die Sängerin Ruth Wallis, „die sehr berühmt war für ihr obszönes Material und inmitten eines gigantischen Œuvres höchst anzüglicher Meisterinnenwerke ein unbeschreiblich schönes Jazzballadenalbum mit selbst geschriebenen Balladen veröffentlicht hat“.

Mit dem Podcast einher geht eine Sendung gleichen Namens, jeden Montag von 22.04 Uhr an auf WDR 3 zu hören, „wo man eine Stunde lang den Bogen noch etwas weiterspannen darf, wo’s um die Biografie der Künstler geht“. Alsmann ist sich sicher, dass ihm die Kleinodien für seine Raritäten- und Obskuritätenschau des Jazz niemals ausgehen werden und verspricht: „Vielleicht ist auch der Hund mit zwei Köpfen dabei, aber der bellt wirklich sehr, sehr schön.“

Außer dem Podcast gibt es auch eine Sendung auf WDR 3

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