Elizabeth Strout, Jahrgang 1956, hat ein Händchen dafür, das Gefühl westlicher Frauen in der zweiten Hälfte ihres Lebens zu beschreiben. Frauen, die mit staunendem Blick zurückschauen auf sich selbst in jungen Jahren. Auf die Naivität, die mitunter falsche Männerwahl. Doch voller Glück auch auf ihre heranwachsenden Kinder – oder beruflichen Erfolge. In „Oh, William!“ erzählt die US-amerikanische Pulitzer-Preisträgerin einmal mehr von Lucy Barton, der ihre Leserinnen bereits in Büchern wie „Alles ist möglich“ (2017) begegnet sind. Diesmal geht es um die Beziehung von Lucy zu William. Die Ehe mit ihm ist mehrere Männer her, auch er hat in der Zwischenzeit einige Dramen erlebt. Doch für immer verbunden durch zwei gemeinsame Töchter und die Erfahrung, zusammen erwachsen geworden zu sein, ist Lucy es, die William auf eine Reise zurück zu seinen Wurzeln mitnimmt. Ein kluger Roman über Familiengeheimnisse – und wie man sich durch deren Ergründung selbst besser kennenlernt. Von Gabriele Blum einfühlsam gelesen. kjk