Jugendkonzerte sind meist eine dankbare Angelegenheit. Sicher, es mag im Publikum zuweilen die eine oder andere Konzentrationsschwäche geben. Aber Stimmung ist in jedem Fall garantiert. Auch und vor allem bei Uraufführungen. Die meisten im Saal sind schließlich noch nicht durch jahrzehntelangen Kontakt mit dem Standardrepertoire geprägt.
Ein fruchtbarer Boden also für Lera Auerbachs brandneues Cellokonzert, das nun bei den Münchner Philharmonikern in der Isarphilharmonie aus der Taufe gehoben wurde. Inklusive einer kurzen Einführung durch die Komponistin, die via Zoom aus New York zugeschaltet war. In ihrem von Gogol inspirierten „Diary of a Madman“ hatte Solist Gautier Capuçon ein höchst virtuoses Werk vor sich, das reichlich Gelegenheit bot, um das Klangspektrum seines Instruments voll auszukosten. Mit schillernden Flageolett-Effekten, sonor schnurrenden Saiten und mit Spielanweisungen, die dem Orchester teilweise sogar einen hässlichen „betrunkenen“ Tonfall abverlangen.
So plastisch Auerbach hier den langsamen Abstieg in den Wahnsinn heraufbeschwört, wurde man am Ende dennoch das Gefühl nicht los: Beim gut 40-minütigen Werk würden ein paar Straffungen noch eine Spur mehr Eindruck hinterlassen können. Dass die Spannung aber auch so nur selten nachließ, lag neben Capuçons leidenschaftlichem Vortrag nicht zuletzt an Dirigentin Giedrė Šlekytė, die bei ihrem Philharmoniker-Debüt den großen Bogen zu halten verstand und nach der Pause die Temperatur im Saal unter anderem mit einer kraftvollen Wiedergabe von Kodálys „Tänze aus Galánta“ weiter zum Steigen brachte. Dies wunderbar kontrastiert mit einer gerade im zweiten Satz intensiv ausgeleuchteten Interpretation von Schuberts „Unvollendeter“, die dem Programm den notwendigen Ruhepol gab.