„Nie wieder Krieg“ – das klingt nach einem Ostermarsch 1982, nach Protest gegen die Nato-Nachrüstung. Doch was so plakativ wirkt, ist bei Tocotronic – natürlich – abstrakter und verrätselter. Gleich auf mehreren Liedern des 13. Studioalbums der Band aus Hamburg geht es um den Krieg, den Menschen gegen sich selbst führen, um die zwischenmenschliche Nachrüstung. Sucht („Ein Monster kam am Morgen“) steht ebenso zum Diskurs wie das Älterwerden („Crash“). Und die Songs tragen komplizierte Titel wie „Jugend ohne Gott gegen Faschismus“. Das klingt anstrengend, ist es aber keineswegs. Der Indiepop von Tocotronic erinnert an die Ärzte, die sich das Albernsein verkneifen. Und an allen Ecken und Enden scheinen Humor und Hoffnung durch, sogar wenn Dirk von Lowtzow hinreißend ohrwurmt: „Ich hasse es hier.“ Wer schlauen und unterhaltsamen Pop mag, kann am Ende nur ein Fazit ziehen: Ich liebe es hier. jh