Im Jahr 1981 tritt Falco als Mitglied der Wiener Band Drahdiwaberl in der Münchner Alabamahalle auf. Eine anarchische Truppe, irgendwo zwischen Ernst Jandl und Frank Zappa. Am Bass: Hansi Hölzel. Der hat unter seinem Pseudonym zwei eigene Singles aufgenommen, eine davon ist „Der Kommissar“, die der österreichische Radiosender Ö3 aber nicht spielen will – Falco singe wie ein Geistesgestörter, so die Begründung. Die Münchner lieben den arrogant gerappten Schmäh umso mehr: Das Publikum feiert Hölzel wie einen Superstar. „Nach dem Konzert dachte ich: ,Na super, den Bass lässt er stehen, den Verstärker lässt er stehen, stattdessen gibt er Interviews‘“, erinnert sich Drahdiwaberl-Keyboarder Thomas Rabitsch.
Johann Hölzel, am 19. Februar 1957 als einziger Überlebender von Drillingen geboren, vom Vater verlassen, als Einzelkind im Wiener Bezirk Margareten aufgewachsen, Schul- und Studienabbrecher, talentierter Hallodri und Weltstar, wäre an diesem Samstag 65 Jahre alt geworden. Alles, was die Kunstfigur Falco ausmachte, war von Anfang an da, erinnert sich sein Manager Markus Spiegel an den Moment, als er ihn entdeckte. Das zurückgegelte Haar, der verächtliche Gesichtsausdruck, die nasale Stimme: „Er wirkte wie der junge Alain Delon inmitten einer Bande durchgeknallter Soziopathen.“
Pünktlich zum Geburtstag von Österreichs tragischem Helden ist das Frühwerk von Falco jetzt neu aufgelegt worden – seine ersten drei LPs, auf buntem Vinyl in einer Box. Hier kann man einmal mehr nachhören, wie großartig er eigentlich war: Das Debüt „Einzelhaft“ (1982) bleibt seine beste Platte und strotzt bereits vor dem Selbstbewusstsein des sensiblen Strizzis. Leichtfüßig verquickt er New Wave mit Hip-Hop, sein englisch-deutsches Kauderwelsch ist intelligent, dabei nicht intellektuell. Wie er die Melodie vom „Kommissar“ nonchalant beim Hit „Superfreak“ von Rick James klaut, das ist einfach superfrech. Und Juveniles wie „Nie mehr Schule“ spielen sie in Wien heute noch zu Matura-Feiern.
Der Titelsong von „Junge Römer“ (1984) kopiert dann David Bowie, und „Falco 3“ geht 1985 dank stromlinienförmiger Produktion durch die Decke – die deutschsprachige Jugend hört ihn nun auf Ohrenhöhe mit Michael Jackson und Queen. Auch die Probleme beginnen: Der akribische Texter muss sich für die Ballade „Jeanny“ rechtfertigen: Sie sei kein Aufruf zur Tötung junger Mädchen. Und als „Rock me Amadeus“ auf Platz eins der US-Charts geklettert ist, soll Hölzel weinen: Jetzt könne es nur bergab gehen. Er soll Recht behalten.
Karriere und Kunstfigur scheinen Falco zu überfordern. Die kreative Substanz wird dünn, die Kokslinien dick. Alkohol, Rotlicht, private Schlammschlachten in den Medien – erst nach seinem Unfalltod 1998 wird er in Österreich zum Nationalheiligen. Heute gedenkt man seiner mit einem grässlichen Grab auf dem Zentralfriedhof und mit noch grässlicheren Musicals. Doch wer sich wirklich an ihn erinnern will, sollte lieber seine frühen Songs hören.
Falco:
„The Box“ (Sony).
Alles, was die Kunstfigur Falco ausmachte, war da