Puristen bitte weglesen. Die Geschichte des Schweizer Freiheitshelden, von Schiller in ein Drama, von Rossini in eine Grande Opera gegossen, gibt es hier als Episoden-Roman. Populäre Nacherzählungen von Sagen und Mythen sind ja nichts Neues. Insofern wandelt Joachim B. Schmidt mit „Tell“ in bekannten Bahnen. Alle paar Seiten wechselt er die Perspektive, lässt den Familien-, Freundes- und Feindeskreis zu Wort kommen und nimmt den Kämpfer damit ins Visier. Tell begegnet einem als mürrischer, verschlossener, beziehungsunfähiger Mann, der an den Spätfolgen eines Kindheitstraumas leidet. Das liest sich flüssig weg, birgt auch, was etwa den vermeintlichen Bösewicht Gessler betrifft, Überraschungen. Natürlich wird der Apfelschuss thematisiert, steht aber nicht im Mittelpunkt. Schmidt zeichnet plausible Charaktere, die Erklärung für Tells Wesen kommt jedoch etwas plötzlich und populär-psychologisch. th