IN KÜRZE

Geigerin Julia Fischer spielt für die Ukraine Ai Weiwei: Europa ist scheinheilig! Stummfilm-Konzert in Kammerspielen

von Redaktion

Gemeinsam mit dem Theaterforum Gauting möchte Star-Geigerin Julia Fischer (Foto: Denise Krentz) ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine setzen. Am Freitag veranstalten sie gleich zwei Benefizkonzerte im Gautinger Bürger- und Kulturhaus bosco. Neben Fischer werden die Violinistin Lena Neudauer und der Pianist Adrian Oetiker Werke von Beriot, Haydn, Schubert, Mendelssohn und Moszkowski spielen. Beginn ist um 17 und um 20 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos, Fischer und ihre Mitstreiter bitten um großzügige Spenden, die vollständig an die Ukraine-Hilfe des Roten Kreuzes gehen. Die kostenfreien Karten gibt es im Theaterbüro im bosco oder online unter bosco-gauting.reservix.de.  mm

Der chinesische Künstler und Aktivist Ai Weiwei sieht viel Heuchelei in der westlichen Reaktion auf den Krieg in der Ukraine. „,Scheinheilig‘ ist noch eine sehr milde Bezeichnung dafür, wie Europa sich verhält“, sagte Ai über den Unterschied zwischen der restriktiven Migrationspolitik nach 2015 und der aktuellen Aufnahmebereitschaft für Menschen aus der Ukraine. „Wir haben kein klares moralisches oder philosophisches Urteilsvermögen mehr, sondern ein großes Durcheinander“, sagte der 64-jährige im Museum Albertina Modern, wo er am Dienstag eine Retrospektive vorstellte. Es ist laut Ai die bislang umfassendste Schau über sein Werk, in dem er sich nach 2015 auch intensiv mit Fluchtbewegungen nach Europa auseinandergesetzt hat. Der in Portugal lebende Exilkünstler stößt mit seinen optisch ansprechenden, aber surreal verfremdeten Arbeiten in viele Wunden: darunter die politische Repression in China, die Zerstörung von Kulturerbe und Kinder als Opfer höherer Mächte. In einer Fotoserie streckt Ai der Welt von Peking bis Washington den Mittelfinger entgegen.

Das Jewish Chamber Orchestra Munich lädt morgen Abend zum Stummfilm-Konzert „Das Alte Gesetz“ ein. Ewald André Duponts Film zeige eine „Emanzipation auf Jüdisch“ in der Mitte des 19. Jahrhunderts und nehme das klassische Motiv des Vater-Sohn-Konfliktes auf, teilte das Kammerorchester mit. Der Stummfilm von 1923 wurde bei der Berlinale 2018 vom Orchester in rekonstruierter Fassung mit neu komponierter Musik von Philippe Schoeller uraufgeführt. Dirigiert wird das Konzert von Daniel Grossmann, der das Orchester 2005 gegründet hat. Er selbst versteht sich als zeitgenössische jüdische Stimme und versucht, mit seiner Arbeit jüdische Gegenwartskultur lebendig und erfahrbar zu machen.

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