Flatterhafter Klassiker

von Redaktion

Josef E. Köpplinger über seine „Fledermaus“ fürs Gärtnerplatztheater

VON GABRIELE LUSTER

Wohin, wenn nicht ans Münchner Gärtnerplatztheater gehört die „Fledermaus“? Doch genau dort flatterte 2010 ein nur kurzlebiges Exemplar auf und fand bis heute keine Nachfolge. Die langfristige Renovierung vereitelte jeden Höhenflug, da die Operette aller Operetten nicht in irgendein Ausweichquartier passte. Doch nun hebt sich morgen am Gärtnerplatz endlich wieder der Vorhang über Johann Strauß’ Meisterwerk. Und natürlich ist die „Fledermaus“ Chefsache: Intendant Josef E. Köpplinger inszeniert; Chefdirigent Anthony Bramall steht am Pult.

„Jeder im Publikum hat seine eigene Vorstellung von der ‚Fledermaus‘“, seufzt der Regisseur, der sich – von der Dramaturgie „eisern überwacht“ – viele Gedanken zum hinreißenden Stück gemacht hat. Zunächst einmal studierte er die legendären Fassungen von Max Reinhardt und Walter Felsenstein und natürlich die von Henri Meilhac und Ludovic Halévy für Jacques Offenbach gefertigte Ursprungskomödie „Le Réveillon“. Dann zimmerte er seine eigene Dialog-Fassung, in der die berühmtesten Extempores natürlich nicht fehlen, und rückte das 1874 entstandene Werk in die Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts.

„Es ging mir darum, das Geschehen in einer Umbruchs-Zeit anzusiedeln und manches, wie im französischen ‚Ur-Text‘, zu schärfen und zuzuspitzen – aber auf keinen Fall platt und provokativ zu aktualisieren. Ein Handy passt nicht zu dieser Musik!“

Da das Werk in einem Badeort in der Nähe einer großen Stadt spielt, dachte Köpplinger natürlich sofort an Baden bei Wien: „Ein hübsches, aber spießiges Städtchen, wo jeder jeden kennt.“ Genau dahinein, in eine leicht verrutschte, kleine, bunte Familien-Villa passt für ihn die „Fledermaus“-Personnage. Und so beschreibt er sie: Dr. Falke als den kühlen, leicht distanzierten Hausfreund der – hier sogar mit Kindern gesegneten – Familie Eisenstein, der sich am Rentier Gabriel rächen will. Weil dieser ihn nach einem Faschingsball, volltrunken und im bis zur Nacktheit zerfledderten Fledermaus-Kostüm, durch die Stadt torkeln ließ. Nun lädt er den Freund, der einen Beamten ohrfeigte und eigentlich ins Gefängnis müsste, noch rasch zu einem Ball beim exotisch-exzentrischen Prinzen Orlowsky ein. Köpplinger lacht: „Nach einer solchen Einladung zum ‚Gartenfest im Winter‘ reißen sich die Provinzler und schwenken sie bei der Ankunft am Palais hoch beglückt.“

Dass sein Eisenstein (zuweilen auch mit einem hohen Bariton besetzt) ein „richtiger Tenor“ sein muss, steht für ihn außer Frage. Denn schließlich muss er sich mit Alfred messen. Und der ist nicht nur ein von Dr. Falke herbeigerufener alter Verehrer der Dame des Hauses, sondern ein Ex-Kollege der ehemaligen Sängerin Rosalinde. Dass er von all diesen Gestalten zwei hat, sprich eine Doppel-Besetzung aufbieten kann, und diese „Fledermaus“-Neuinszenierung ohne einen Gast auskommt, verkündet der Hausherr nicht ohne Stolz. Natürlich sollte bei den Proben erst die eine Riege, dann die andere zum Zuge kommen, aber Corona sorgte für ein ständiges „Crossover“ – und wer nun tatsächlich wann singt, das hängt auch von den täglichen Test-Ergebnissen ab.

Den schrulligen, versoffenen Gefängnisdiener Frosch vertraut Köpplinger nicht –wie gern praktiziert – einem allseits bekannten Kabarettisten an, sondern im Wechsel seinen beiden „Wiener Komödianten“ Michael Dangl und Robert Meyer. „Der Frosch und auch der von auswärts frisch ins Amt gewechselte Gefängnisdirektor Frank müssen todernst spielen, damit die ganze Komik rüberkommt. Und, ganz wichtig, alle müssen bei den Dialogen im Rhythmus bleiben. Ein Stolperer, und die nächsten drei, vier Sätze stolpern auch.“

Köpplinger und alle Mitwirkenden wissen, die Strauß’sche „Fledermaus“ ist in jeder Hinsicht eine echte Herausforderung, die man mit Fingerspitzengefühl realisieren muss. „Nach vielen Angeboten klappte es endlich wieder“, freut sich der Regisseur, der das Werk erst einmal inszenierte.

Flügge wurde seine neue Münchner „Fledermaus“ übrigens in Italien. Zubin Mehta, der sich für seine Maggio-Musicale-Produktion Köpplinger als Regisseur gewünscht hatte, brachte die Koproduktion (mit italienischen Übertiteln) bereits mit großem Erfolg im Januar in Florenz heraus.

Premiere

ist morgen, 19.30 Uhr; weitere Informationen unter www.gaertnerplatztheater.de.

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