Die Kämpferin

von Redaktion

Die Schauspielerin und Sängerin Barbra Streisand wird 80

VON ZORAN GOJIC

Mit der Nase und dem Namen werde sie es nie schaffen in Hollywood. Je öfter die junge Barbra Streisand das hört, desto wilder entschlossen ist sie, ein Filmstar zu werden. Und sie hat eine Geheimwaffe: eine Jahrhundertstimme. Über Rollen am Broadway, in denen sie alles und jeden um sich herum in Grund und Boden singt, macht sie auf sich aufmerksam und ergattert erste Fernsehauftritte.

Als das Musical „Funny Girl“ verfilmt werden soll, reißt sich die komplette weibliche Belegschaft Hollywoods um den Part, aber der Produzent besteht darauf, dass die Hauptdarstellerin vom Broadway auch in der Filmfassung auftritt – so kommt Streisand 1968 zu ihrer ersten Kinorolle und wird ein Star, Oscar inklusive. Da ist sie gerade Mitte 20 und hat doch schon eine Ochsentour hinter sich.

Die Tochter jüdischer Migranten fällt bereits als Teenager mit ihrer ungewöhnlich vielfältigen und kräftigen Stimme auf, ihr Geld verdient sie sich mit Auftritten in Nachtclubs. Mit 20 ergattert sie einen Plattenvertrag, gleich das erste Album wird ein Bestseller und bekommt einen Grammy als beste Produktion des Jahres.

Streisand ist nicht undankbar, aber eine Gesangskarriere ist für sie eher ein notwendiges Übel, um einen Fuß in die Tür der Traumfabrik zu bekommen – sie will unbedingt zum Film. Dafür wird sie oft belächelt, nicht selten schwingt blanke Bösartigkeit durch, wenn man sich über ihr Aussehen oder den sperrigen Namen mokiert.

Nach „Funny Girl“ schauen die Kritiker erst mal blöd aus der Wäsche. Denn es mag schon sein, dass Streisand nicht dem üblichen Schönheitsideal der Hollywood-Studios entspricht, aber sie hat Charisma, Präsenz, ein atemberaubendes Talent für Timing und diese erstaunlichen Killeraugen. Mit bemerkenswertem Gespür für die richtigen Projekte feiert sie Erfolge und beginnt konsequent, zunehmend die Kontrolle zu übernehmen. 1977 holt sie sich ihren zweiten Oscar ab, diesmal als Komponistin des besten Filmsongs: „Evergreen“ aus „A Star is born“.

Parallel nimmt sie weiterhin Platten auf und bleibt immer am Puls der Zeit. Erst mit jazzigen Tönen, später mit softem Pop, dann mit Disco verkauft sie alleine in den USA mehr als 70 Millionen Tonträger. Außer Frank Sinatra hat niemand so häufig LPs in den Top 40 platziert, außer Elvis niemand so viele Goldene Schallplatten und außer den Beatles niemand so oft ein Album an der Spitze der Hitparade: Das sind die Kennzahlen zum Ausmaß des Erfolgs – und das seit nunmehr fast 60 Jahren. Barbra Streisands größter Triumph freilich ist, dass sie sich nie hat entmutigen oder verunsichern lassen. Ihre Charakternase trägt sie nach wie vor mit Stolz und auch sonst tut sie niemandem den Gefallen, so zu sein, wie andere es gern hätten. Womöglich ist das der Grund für den Kultstatus, den sie in der Queer-Gemeinde innehat. Über ihr angebliches Diventum kann sich Streisand besser lustig machen als jeder andere, und sie verteidigt ihre Leidenschaft für ihren Beruf immer vehement: Ein Mann müsse sich nie rechtfertigen, wenn er zielstrebig seine Ziele verfolge.

Als man ihr immer wieder erklärt, ihr Herzensprojekt „Yentl“ sei nicht realisierbar, weil sich niemand für ein Musical über eine Jüdin interessiere, die als Junge verkleidet den Talmud studiert, ist für Streisand klar: Diesen Film macht sie. Als Autorin, Regisseurin, Hauptdarstellerin und Produzentin beweist sie 1983 allen Nörglern, dass es sehr wohl Menschen interessiert. Danach macht sie sich rar auf der Leinwand. Aber wenn sie auftaucht, hat sie, klar, Erfolg.

An diesem Sonntag wird die Dame, die nie getan hat, was man angeblich tun muss, um Erfolg zu haben und damit zu einem Weltstar wurde, 80. Ein Star zu sein, so sagte sie einmal, bedeute vor allem viel Arbeit.

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