Zeit, Adieu zu sagen

von Redaktion

The Sisters of Mercy sind in der Tonhalle nur noch ein Schatten ihrer selbst

Danke für die schöne Zeit, Andrew Eldritch. Danke für die psychedelischen und unvergesslichen Momente damals, Ende der Achtziger- bis Mitte der Neunzigerjahre, als wir uns zu unsterblichen Songs wie „More“, „Temple of Love“, „Lucretia my Reflection“ und „This Corrosion“ schwarz gewandet wie in Trance bewegten. Beim Konzert von The Sisters of Mercy, der Mutter des Gothic-Rock, in der gut gefüllten Tonhalle am Donnerstagabend blitzten die Erinnerungen noch mal auf. Mehr nicht. Lieber Andrew Eldritch, Gründer, Sänger, Texter, Komponist und Kopf der Sisters, es ist an der Zeit, Adieu zu sagen.

Eldritchs düsterer Gesang in der Tonhalle war viel zu leise. Die Gitarren kraftlos, der Schlagzeugcomputer arm an Energie und Bass. Vom typischen unermüdlich monoton treibenden Sound der Sisters war hier wenig zu spüren. Das war eher was fürs Senioren-Café.

Gut, Andrew Eldritch beherrscht wie kein Zweiter das Spiel mit den Lichtkegeln, positioniert sich immer wieder in deren Schein, erinnert dabei an den glatzköpfigen Dracula-Darsteller Max Schreck aus Schwarz-Weiß-Film-Zeiten. Schrecken aber jagen die Sisters keinem mehr ein. Stimmung? Erst bei den 20 Minuten Zugabe. Das nur 50 Minuten runtergespulte Normalprogramm davor kann man sich sparen.

Mit bald 63 Jahren sollte Andrew Eldritch sich von der Bühne verabschieden. Die Musik bleibt. Es war eine schöne Zeit. ARMIN RÖSL

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