Großes gezaubert

von Redaktion

KRITIK „Oh, wie schön ist Panama“ im Deutschen Theater

VON ULRIKE FRICK

„Wer nichts braucht, hat alles“, lautet ein Zitat des Autors, Künstlers und Illustrators Janosch. Aber es ist nicht immer einfach zu erkennen, ob man gerade nichts braucht oder doch. So empfinden zumindest der Kleine Bär und der Kleine Tiger zu Beginn des zauberhaften Kinderbuchs „Oh, wie schön ist Panama“ aus Janoschs Feder. 1978 erschienen, bezauberte es Generationen von Kindern und Erwachsenen. Es wurde zweimal, 1985 und 2006, als Zeichentrickfilm adaptiert – und 2014 sogar als Oper vertont.

Für die charmante Musical-Fassung, die am Freitag im Deutschen Theater ihre München-Premiere feierte, bildete die Kino-Adaption von 2006 die Grundlage. Der Film war ein gelungener Spaß, kann aber mit dieser neuen, auf Erwachsene wie Kinder gleichermaßen betörend wirkenden Musical-Variante nicht mithalten. Das Live-Erlebnis eines Theaters wissen offensichtlich auch Kindergartenkinder schon zu schätzen. Mit sparsamsten Mitteln und einem karg gehaltenen Bühnenbild, das nur aus drei Stellwänden mit Janosch-Hintergrundmotiven im Wechselrahmen besteht, hat Regisseur Florian Schmidt etwas ganz Großes gezaubert.

Mit wenigen Handgriffen entsteht eine Szene nach der anderen, klar umrissen und damit schon für die Kleinsten angemessen. Im Verlauf der insgesamt 70 Minuten erinnert dieses „Weiterblättern“ von Stellwand zu Stellwand deutlich ans Buch. Davor befinden sich maximal drei Schauspieler: Claudia Hoffmann-Glaser spielt den Kleinen Tiger: aufgeweckt, neugierig, immer am Plappern. Lukas Stiepert gibt den Kleinen Bären, der eher behäbig ist und am liebsten zum Angeln geht oder für seinen Freund kocht. Das sieht dann meistens aus wie „Karotteneintopf mit Karotten“, findet zumindest der zum Essen eingeladene Posthase. Es ist aber „Kürbis mit einer Prise Salz und Butter und Petersilie und Semmelbrösel, dazu Bratkartoffeln“. Der Kleine Tiger erschmeckt das natürlich – und riecht im nächsten Moment, dass die zum Hocker umfunktionierte Holzkiste nach Bananen duftet. „Panama“ steht darauf. Worauf die beiden beschließen, das muss das Land ihrer Träume sein – und sofort aufbrechen.

„Erfahrungen sind wie Apfelkuchen: Selbst gemacht ist am besten.“ Getreu dieses Leitspruchs stürzen sich die Freunde in ein Abenteuer und in viele Begegnungen in der Fremde. Diese höchst unterschiedlichen, immer liebenswürdig ausgestalteten Figuren werden hier alle von Martin Mantel übernommen. Der Schauspieler bringt durch seine feinen Akzente als Posthase, Esel Mallorca oder Affe Bong oft erst den Schwung in manche Szenen.

Alle drei Schauspieler kommen mit den Anforderungen der Songs mühelos zurecht. Mitgeklatscht, -gesungen und lauthals gelacht wird ohnehin vom ersten Takt an, den die am linken Bühnenrand in Kuhkostümen positionierte Band unter der Leitung von Komponist und Co-Produzent Reinhold Hoffmann spielt.

Weitere Vorstellungen

bis 15. Mai; Telefon 089/55 234 444.

Artikel 3 von 3