Wie 1992

von Redaktion

The Lemonheads lassen bei ihrem München-Besuch die besten Zeiten wieder aufleben

VON TERESA GRENZMANN

Und dann kommt er doch noch einmal auf die Bühne, hängt sich die Akustikgitarre um den Hals, klemmt sich eine Fluppe zwischen die Lippen, steigt in den kleinen Zuschauerraum im Hansa 39 und singt, umringt von seinen Münchner Fans aus 13, 19, 30, 36 Jahren, von dem Ort, an den man immer gehen sollte, wenn man allein ist: „Into your Arms“. Impulsiv bahnt er sich einen Weg durch die kleine Menge, dann steht er in der lauen Frühlingsnacht vorm Feierwerk, die ewig schulterlangen Haare strähnig im Gesicht, covert Metallicas „Fade to black“, im kleinen After-Show-Kreis sozusagen, und alles ist wie damals, als alle jung waren, nur irgendwie – kann das wirklich sein? – noch besser.

Verziehen sind all die Dinge, die einen Popstar auf dem Gipfel seines Ruhmes kaputt machen, verziehen auch die Trennung 1997. Evan Dando, Kopf der Bostoner Independent-Band The Lemonheads und anlässlich des 30. Geburtstags ihrer „It’s a Shame about Ray“-Platte auf Jubiläumstour, hat einfach Lust an diesem Abend.

Der verhuschte 55-Jährige in T-Shirt und Karohemd schert sich nicht ums Mikro, sucht den Kontakt, sein Publikum ist dankbar. Solo, zuweilen unplugged, beginnt er das anderthalbstündige Konzert wie einen nervösen Spaziergang durch die Alben; danach erst folgt das (nicht ganz komplette) „Shame about Ray“-Set zum Mitschmettern im satten Sound mit neuem Schlagzeuger und Bassisten. Nach 50 Minuten Pflichtprogramm scheint Dando endgültig entschlossen, diesen Auftritt zu genießen. Noch einmal solo, danach ein zweites Set, in dem er, unbekümmert wie eh und je, das Unmögliche mixt: den psychedelisch-disharmonischen E-Gitarren-Rock von „Rick James Style“ („Come on feel“, 1993) mit dem ironisch-lakonischen Country-Wohlgefühl von „The Outdoor Type“ („Car Button Cloth“, 1996). Dazwischen huscht er hinters Schlagzeug, um Jackson Five’s „I want you back“ zu interpretieren, auf seine punkig-kantig geniale Weise. So viel, so gut – wer hätte das 1992 gedacht?

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