Es war ein großer Wurf, der dem damals 26-jährigen Pietro Mascagni mit „Cavalleria rusticana“ gelang. Sein Bühnenerstling machte den Komponisten 1890 quasi über Nacht zu einem Weltstar. Selbst wenn er an diesen Erfolg nie mehr anschließen konnte, sicherte ihm das packende Eifersuchtsdrama seinen Platz in der Musikgeschichte. Und im Gegensatz zur üblichen Aufführungspraxis, die den Einakter meist mit Leoncavallos „Bajazzo“ zusammenspannt und das Duo oft zur großen Tenor-Show macht, lässt das Ensemble Opera Incognita die „Cavalleria“ nun wieder für sich allein wirken.
Inspiriert von Francis Ford Coppola, der Mascagnis Musik in seiner Trilogie „Der Pate“ zitierte, verlegt Regisseur Andreas Wiedermann die Geschichte ins New York der 1910er-Jahre. In eine Zeit also, in der zahllose italienische Einwanderer in der Neuen Welt ein besseres Leben suchten. Doch die katholischen Traditionen und die im Titel beschworene „Bauernehre“ begleiteten die Menschen über den Atlantik. So auch Santuzza, die das Kind des Nachwuchs-Gangsters Turiddu erwartet, während der sich mit seiner alten Flamme Lola vergnügt, die inzwischen jedoch Mafioso Alfio das Jawort gegeben hat.
Als idealer Aufführungsort für Wiedermanns Inszenierung entpuppt sich die Allerheiligen-Hofkirche, schließlich nimmt die Ostermesse eine zentrale Rolle in der Partitur ein. Und im Gegensatz zum instrumentalen Arrangement, das mit gerade mal vier Instrumenten manchmal schon arg spartanisch klingt, funktionieren die Chorbilder auch im dicht inszenierten Kammerspiel-Format wunderbar. Wiedermann und sein musikalischer Leiter Ernst Bartmann verwandeln die sizilianischen Bauern in eine kleine, natürlich rein männlich besetzte Mafia-Truppe und verteilen die weiblichen Stimmen auf die Solistinnen des Abends. Wobei Anna Luisa Oppelts präsente Lola mit Zuzana Ciszewska noch eine ähnlich ausdrucksstarke Freundin namens Rosarina zur Seite gestellt bekommt. Gemeinsam mit Maria Czeiler als Matriarchin Lucia behaupten sie sich selbstbewusst. Dominiert wird das Geschehen aber von Carolin Ritter. Als Santuzza muss sie sich nicht ins veristische Schluchzen retten, sondern zeichnet mit sonorem Mezzo ein überaus anrührendes Rollenporträt: keine rachsüchtige Furie, sondern eine innerlich gebrochene Frau. Ritter wird perfekt ergänzt von Rodrigo Trosino, der Turiddu ebenfalls von der lyrischen Seite her angeht und damit einen stimmigen Gegenentwurf zum machtvoll orgelnden Alfio von Robson Bueno Tavares liefert.
Nächste Vorstellung
am 21. Mai;
Telefon 089/54 81 81 81.