Bis zu 440 Leute passen ins Münchner Ampere – am Dienstag war es ausverkauft: Malik Harris feierte den Abschluss seiner „Anonymous Colonist“-Tour. Das Motto: „Leute, lasst es so laut werden, dass die Polizei vorbeischaut.“ Dieses Ziel verfehlte der 24-Jährige zwar – und hämische Geister könnten darin eine Parallele zur mit nur sechs Punkten verpatzten ESC-Teilnahme sehen –, doch am Publikum lag es nicht: Es sang mit, klatschte und tanzte.
Die Fangemeinschaft war wild gemischt – vom vorpubertären Kind bis zum Mittelalter war alles vertreten, Mädels vielleicht leicht in der Überzahl. Harris selbst wuppte die Sause mit Charme und Stimme, plauderte munter über die vergangenen Wochen („War ja doch ein bisserl was los“ – Jubel), hielt Kontakt zum Publikum („Ich habe euch so krass vermisst“ – Jubel), auch weil er auf der Bühne allein mit Loopstation und Gitarre stand („Ich tanze nicht, ich drücke Knöpfe“ – Jubel) und dadurch die Pausen zwischen Songs wie „Dance“, „Bangin’ on my Drum“, „Faith“, „Time for Wonder“ oder „Say the Name“ füllte. Er streifte dabei Themen wie den Klimawandel, erzählte von einer Demo der Bewegung „Black Lives matter“ in München und rief zum Wandel auf. Das Publikum – Sie ahnen es – jubelte.
Höhepunkt war aber nicht sein „Rockstars“ (beim Rapteil: Jubel), sondern als er von der Bühne stieg und sich samt Akustikgitarre in die Menge begab, die jubelte und sang bei „Like that again“. Nach rund zwei Stunden war Schluss. Für Harris, der noch fleißig Autogramme gab, wird es morgen wieder spannend. Da erscheint sein neuer Song. Und man möchte ihm wünschen, dass es immer so weiter geht. Sympathisch, authentisch und laut.