Küss die Hand, Rock im Park!

von Redaktion

Knaller-Bands und Bandl-Ärger: Furioses Finale für ein friedliches Festival

Zum Finale steht der Himmel in Flammen. Als mit Muse der dritte und letzte Headliner von Rock im Park – passenderweise mit brennender Bühnendekoration – die Utopia Stage betritt, vergoldet Petrus den Augenblick. Wie um zu sagen: Schaut, das war doch ein prächtiges Festival. Tatsächlich ziehen die Organisatoren und die Einsatzkräfte ein sehr positives Fazit zu drei Tagen Rockparty.

Und die Fans? Den einen oder anderen mag der Gedanke an 75 000 Menschen auf dem Zeppelinfeld nervös gemacht haben. Nach zwei Jahren Daheimbleiben und Abstand-Halten ist eine Veranstaltung wie Rock im Park ein krasses Kontrastprogramm. Oder aber eine Gelegenheit, sich wieder einander anzunähern.

Da feiern völlig fremde Menschen, die die Liebe zur Musik und den Bands verbindet, als würden sie sich schon ewig kennen. Die Rockfans sind umsichtiger geworden, man achtet noch ein bisserl mehr aufeinander und lässt auch mal etwas mehr Raum. Aber man liegt sich auch selig in den Armen und man tanzt, feiert und grölt gemeinsam, bis die Stimme versagt.

Von den Künstlern kommt dafür sehr viel Dankbarkeit, keiner spult einfach nur ein Programm ab und verschwindet wieder. Ob Jan Delay, der mit Marteria und Scooter am Samstag den hohen Norden in Franken vertritt, oder The Offspring und die Broilers, die bei bestem Festivalwetter am Samstag die Menge zum Ausrasten bringen: Dass sie endlich wieder auftreten dürfen, entfesselt bei allen Musikern die Spielfreude.

Michael Poulsen und die Metal-Rocker von Volbeat hatten am Freitag den ersten umjubelten Headliner-Auftritt (wir berichteten). Und mussten zumindest zeitweise gegen den Regen anrocken. Dass das Publikum nicht nur blieb, sondern vollen Einsatz zeigte, machte die Dänen sichtlich glücklich. Sie bedankten sich überschwänglich. Billie Joe Armstrong, Sänger von Green Day, dirigierte mit spitzbübischer Freude die Fans am Samstag und warf Kusshände in die Menge. „It’s been two Years, and it’s so damn good to be back!“, rief er und tatsächlich: Es tut einfach gut, dass sie wieder da sind. Das furiose Finale blieb Muse vorbehalten. Mit der richtigen Mischung aus spektakulärer Show und Fannähe machten die Briten ihrem Ruf als großartige Liveband alle Ehre und setzten einen würdigen Schlusspunkt unter drei Tage im Zeichen der Musik.

Das Prinzip Rock im Park funktioniert noch, auch im Hintergrund. Die Veranstalter haben die Pause genutzt und das Festival nachhaltiger gemacht. Ökostrom aus der Region, bewachte Fahrradparkplätze: Das passt in die Zeit. Freilich, bei einem Festival dieser Größenordnung kann nicht alles rundlaufen. Kritik gab es im Vorfeld am neuen bargeldlosen Bezahlsystem – das am Ende gut funktionierte.

Und berechtigten Unmut über lange Schlangen am Einlass, die manchen Festivalbesucher den Auftritt der Lieblingsband gekostet haben. Der Versuch, die Massen zu entzerren, hat leider auch wegen fehlender Information vor Ort viele Besucher auf eine Odyssee über das riesige Gelände geschickt. Vielleicht steuern die Veranstalter hier für die nächste Ausgabe nach. Die Planungen laufen bereits: Vom 2. bis 4. Juni 2023 darf Nürnberg wieder parkrocken.

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