Der Unbequeme

von Redaktion

Trauer um den israelischen Schriftsteller Abraham B. Yehoshua

VON SARA LEMEL

Abraham B. Yehoshua hat sich mit der jüdischen Diaspora angelegt und mit der israelischen Regierung. Der Erfolgsautor provozierte gern – und war einer der beliebtesten israelischen Schriftsteller (Foto: Luca Bruno/dpa). Am Dienstag ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.

Mit Äußerungen zur Bedeutung der jüdischen Diaspora löste Yehoshua 2006 einen Sturm der Empörung aus. Vor jüdischen US-Repräsentanten sagte er damals in Washington, die jüdische Identität im Ausland sei weniger stark ausgeprägt als in Israel. „Israeli sein ist meine Haut, nicht meine Jacke“, meinte Yehoshua. Später musste er sich entschuldigen, weil viele US-Juden sich durch seine Worte beleidigt fühlten.

Der Autor wurde 1936 in Jerusalem geboren, wo seine Familie mit sephardischen Wurzeln seit fünf Generationen lebte. In den vergangenen Jahren wohnte er in der Hafenstadt Haifa im Norden des Landes, wo er auch an der Universität lehrte. Yehoshua war mit einer Psychoanalytikerin verheiratet und hatte eine Tochter und zwei Söhne. Seine Werke wurden in rund 30 Sprachen übersetzt. Auf Deutsch erschien unter anderem „Freundesfeuer“, in dem eine jüdische Familie den Tod des Sohnes verarbeiten muss, nachdem er beim Einsatz in den besetzten Gebieten aus Versehen von seinen Kameraden erschossen wurde. In „Die befreite Braut“ beschreibt Yehoshua eine israelische Familie, die von einem geheim gehaltenen Inzest erschüttert wird. Der Roman „Die fünf Jahreszeiten des Molcho“ wurde zu einem der zehn wichtigsten Bücher Israels gekürt. Darin beschreibt Yehoshua, wie ein Mann sich nach dem Krebstod seiner Frau innerlich befreit.

Oft meldete sich Yehoshua auch in politischen Fragen zu Wort. 2006 forderte er etwa während der Kämpfe im Libanon eine Waffenruhe. Ein Jahr später sprach er sich mit Kollegen für Verhandlungen Israels mit der islamistischen Hamas aus. Dies galt damals als besonders kontrovers, weil die Palästinenser-Organisation gerade erst die Kontrolle über den Gazastreifen an sich gerissen hatte. Sich selbst beschrieb er als „Themen-Schriftsteller“, weil er von Thema zu Thema springe.

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